Bewaffnete Freiwilligenbataillone: Informelle Machthaber in der Ukraine

Von Huseyn Aliyev (Universität Glasgow)

Zusammenfassung
Die politische Landschaft der postsowjetischen Ukraine ist geprägt durch eine Vielzahl informeller Machthaber, darunter Oligarchen, hochrangige »Problemlöser« und Akteure der organisierten Kriminalität. Der Euromaidan, die Annexion der Krim und der Beginn des Krieges im Donbass haben die politische Landschaft der Ukraine um einen weiteren einflussreichen informellen Akteur erweitert: bewaffnete Freiwilligenbataillone. Die Freiwilligenverbände – in der Ukraine als »Dobrobaty« oder »Wolontery« bezeichnet – wurden mobilisiert, um die staatlichen Sicherheitskräfte im Konflikt in der Ostukraine zu unterstützen. Mit dem Ende der schweren Kampfhandlungen im Donbass wandten sich die Freiwilligenverbände der Politik zu und wurden schnell zu einflussreichen sozioökonomischen und -politischen Akteuren. Ungeachtet der hohen Reputation, die sie während des Donbass-Konflikts genossen, setzen Freiwilligenbataillone ihre Ressourcen aktiv ein, um den Staat in seiner Rolle als Sicherheitsgarant und Hüter des Gemeinwohls herauszufordern. Sie sind jedoch nicht nur Herausforderer des politischen Regimes, sondern nutzen ihren Status auch, um mit informellen und illegalen Geschäften Profit zu machen.

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Lesetipps

  • Aliyev, Huseyn. »Strong militias, weak states and armed violence: Towards a theory of ‘state-parallel’ paramilitaries.« Security dialogue 47.6 (2016): 498 –516.
  • Käihkö, Ilmari. »A nation-in-the-making, in arms: control of force, strategy and the Ukrainian Volunteer Battalions.« Defence Studies 18.2 (2018): 147–166.
  • Hunter, Montana. »Crowdsourced War: The Political and Military Implications of Ukraine’s Volunteer Battalions 2014 –2015.« Journal of Military and Strategic Studies 18.3 (2018)

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Dokumentation

Menschenrechtsverletzungen der Freiwilligenbataillone

Freiwilligenbataillonen werden immer wieder Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Dazu zählen rechtswidrige Festnahmen, Entführungen und Misshandlungen und weitere Vergehen. Anbei eine Auswahl an Hinweisen auf Menschenrechtsverletzungen durch Mitglieder von Freiwilligenbataillonen, die in den letzten Jahren von internationalen Organisationen und Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wurden.
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Analyse

Militante russische Nationalisten

Von Nikolay Mitrokhin
Die militanten russischen Nationalisten sind ein kleiner, aber nach den Ereignissen im Donbas politisch überaus wichtiger Bestandteil der großen Bewegung russischer Nationalisten. Diese komplex organisierte und hinsichtlich ihrer Zusammensetzung vielfältige gesellschaftlich-politische Bewegung, die in den 2000er Jahren in den ehemaligen Sowjetrepubliken und in Russland aktiv war, wurde dann im Großen und Ganzen unter die Kontrolle der Präsidialadministration Putins genommen. Gegenwärtig ergibt sich ein ambivalentes Bild: Der militante Teil der Bewegung, zu dem die Radikalen gehören – hauptsächlich Veteranen unterschiedlicher Truppen für »besondere Einsätze« – verursacht dem Apparat des Regimes in Russland Kopfschmerzen, während er gleichzeitig auch als Reserve für unkonventionelle Kriege jenseits der russischen Grenzen dient.
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