Ukrainische Freiwilligen-Bataillone im Donbass

Bis zu zehn Freiwilligen-Bataillone mit insgesamt etwa 2.000 Mitgliedern kämpfen im Donbass auf der Seite der ukrainischen Armee. Weitere Bataillone übernehmen außerhalb des Donbass polizeiliche Sicherheitsaufgaben, etwa bei Straßenkontrollen. Die Rolle der ukrainischen Freiwilligen-Bataillone im Donbass-Konflikt ist umstritten. Die Bataillone kämpften ursprünglich unkontrolliert neben den staatlichen Einheiten und sind mittlerweile formal in die staatlichen Strukturen eingegliedert. Es gibt jedoch immer wieder Verletzungen der Waffenruhe durch Freiwilligen-Bataillone, die zeigen, dass diese offensichtlich nicht voll in die Kommandostrukturen integriert sind.

Gleichzeitig gibt die offen rechtsextreme Orientierung einiger Bataillone regelmäßig Anlass zu Kritik. Vor allem den Battaillonen Asow und Aidar haben die internationalen Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch Kriegsverbrechen und Straftaten vorgeworfen.

Der politische Einfluss der Bataillone könnte dadurch gestärkt worden sein, dass einige ihrer Vertreter bei den Wahlen im Oktober ins ukrainische Parlament eingezogen sind.

Die folgende Dokumentation gibt basierend auf Presseberichten und frei zugänglichen Internetquellen einen tabellarischen Überblick über die Bataillone und ihre Kommandeure.

Die Redaktion der Ukraine-Analysen

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Analyse

Bewaffnete Freiwilligenbataillone: Informelle Machthaber in der Ukraine

Von Huseyn Aliyev
Die politische Landschaft der postsowjetischen Ukraine ist geprägt durch eine Vielzahl informeller Machthaber, darunter Oligarchen, hochrangige »Problemlöser« und Akteure der organisierten Kriminalität. Der Euromaidan, die Annexion der Krim und der Beginn des Krieges im Donbass haben die politische Landschaft der Ukraine um einen weiteren einflussreichen informellen Akteur erweitert: bewaffnete Freiwilligenbataillone. Die Freiwilligenverbände – in der Ukraine als »Dobrobaty« oder »Wolontery« bezeichnet – wurden mobilisiert, um die staatlichen Sicherheitskräfte im Konflikt in der Ostukraine zu unterstützen. Mit dem Ende der schweren Kampfhandlungen im Donbass wandten sich die Freiwilligenverbände der Politik zu und wurden schnell zu einflussreichen sozioökonomischen und -politischen Akteuren. Ungeachtet der hohen Reputation, die sie während des Donbass-Konflikts genossen, setzen Freiwilligenbataillone ihre Ressourcen aktiv ein, um den Staat in seiner Rolle als Sicherheitsgarant und Hüter des Gemeinwohls herauszufordern. (…)
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Analyse

Föderalisierung versus Bosnisierung – Russlands Ukraine-Strategie

Von Stefan Meister
Russlands Provokationen in der Ostukraine und die Präsenz russischer Truppen an der östlichen Grenze der Ukraine zielen darauf, die ukrainische Übergangsregierung zu destabilisieren, die Präsidentschaftswahlen am 25. Mai zu verhindern und die eigene Verhandlungsposition über den zukünftigen Status der Ukraine gegenüber der EU und den Vereinigten Staaten zu verbessern. Dabei ist das vorrangige Ziel Russlands nicht die Annexion des Ostens der Ukraine, sondern die EU und die USA dazu zu bringen, die begrenzte Souveränität der Ukraine als Teil der russischen Einflusssphäre anzuerkennen. Die Ostukraine zu annektieren, wäre für Russland mit hohen wirtschaftlichen und politischen Kosten verbunden, jeder Versuch, weiteres ukrainisches Territorium zu kontrollieren, würde zu Widerstand in der ukrainischen Gesellschaft führen und die Bereitschaft der EU-Mitgliedsstaaten erhöhen, härtere ökonomische Sanktionen gegen Russland zu erlassen. Für die russische Führung gibt es letztlich nur zwei Optionen für die Zukunft der Ukraine: Föderalisierung oder Bosnisierung. (…)
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