Politische Jugendorganisationen und Jugendbewegungen in Russland

Von Jens Siegert

Zusammenfassung
Ein großer Teil der russischen Jugendlichen ist politisch uninteressiert und abstinent. Sowohl das starke Desinteresse an Politik von jungen Menschen als auch ihre relative Missachtung durch praktisch alle politischen Lager verändern sich seit einigen Jahren. Dieser Prozess wurde durch die „Revolutionen“ genannten politischen Umbrüche in Georgien, in der Ukraine und in Kirgisien erheblich beschleunigt. Im Ergebnis gewinnen politische Jugendorganisationen an Bedeutung. Dabei sind junge Menschen sowohl Subjekt als auch Objekt. Sie werden von Polittechnologen zu „Agitbrigaden“ geformt oder von Parteiführern zum Rebranding ihrer Parteien genutzt. Gleichzeitig entdecken viele junge Menschen aber auch die Politik als Mittel zu Selbstverwirklichung wieder. Einige Jugendorganisationen sind Teile subkultureller Parallelgesellschaften. Andere bieten die Perspektive eines sozialen Lifts, der seine Passagiere in einem eher fest gefügten politischen System in die höheren Etagen befördern kann. Diese verschiedenen Interessen und Funktionen sollen genauer betrachtet und, soweit möglich, eingeordnet werden.

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Analyse

Die russische Jugendbewegung »Naschi«

Von Regina Heller
Die Jugendbewegung »Naschi« (Die Unsrigen) ist die bekannteste und erfolgreichste unter den in den letzten Jahren in Russland entstandenen regierungsfreundlichen Jugendorganisationen. Doch bei den Unsrigen, die vor allem für ihre schrillen Aktionen und ihr rüdes Vorgehen gegen Oppositionelle bekannt geworden sind, handelt es sich weniger um eine »von unten« gewachsene Jugendbewegung, sondern um ein polittechnologisches Projekt der Ära Putin. »Naschi« wurde unter dem Eindruck der bunten Revolutionen im postsowjetischen Raum ins Leben gerufen, um unter Russlands Jugendlichen eine »anti-orange« Stimmung zu erzeugen und eine Massenmobilisierung während der Duma- und Präsidentschaftswahlen 2007/2008 zu verhindern. Als Drahtzieher im Kreml gilt der Putin-Vertraute Wladislaw Surkow. Mit der Absicht, das Mobilisierungspotenzial von »Naschi« zu erhöhen, hat die Regierung beträchtliche administrative und finanzielle Ressourcen bereitgestellt. (…)
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Analyse

Staatliche Jugendpolitik in Russland zwischen regierungstreuem Protest und konservativer Erneuerung

Von Anna Schwenk
Staatliche Jugendpolitik hat in Russland nicht nur die Funktion, politische Herrschaft unmittelbar zu sichern – durch Protestaktionen zur Unterstützung der Regierung. Sie dient auch der Verbreitung konservativer Denkmuster. Mit Hilfe aktivierender Techniken des »Selbst-Unternehmertums« soll eine Sphäre moralisch-konservativen und unternehmerischen Engagements geschaffen werden. Die Zukunft der Jugendpolitik wird eher im Ausbau dieser Sphäre liegen als in Versuchen, regierungstreue Aktivistinnengruppen wiederzubeleben.
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