Internationale Reaktionen auf die Kooperation von BP und Rosneft

Reuters (London) FOKUS 1-Ölkonzerne BP und Rosneft schmieden Allianz 14.1.2011, Tom Bergin

Laut BP-Chef Bob Dudley handelt es sich um die erste Überkreuzbeteiligung zwischen einem staatlichen Ölunternehmen und einem international agierenden Ölkonzern. Es sei »eine neue Vorlage dafür, wie Geschäfte in unserer Industrie ablaufen können«, sagte der Amerikaner, der einst das russische Joint-Venture TNK-BP geleitet hatte. Während BP durch die Partnerschaft auf neue Einnahmen hoffen kann, schließt Rosneft seine Technologie- und Fachkenntnis-Kluft zum Westen.

Quelle: factiva Pressedatenbank

Neue Zürcher Zeitung Eine Allianz voller Ironie; Die Kooperation zwischen dem Energiekonzern BP und dem Staatsbetrieb Rosneft zeigt die Machtverschiebung an den Energiemärkten auf. 18.1.2011, Gerald Hosp

Der Einstieg eines Staatsunternehmens bei einem internationalen Erdölkonzern illustriert auch die Machtverschiebung an den Energiemärkten. Die Zeit der »sieben Schwestern«, wie die sieben mächtigen angelsächsischen Erdölkonzerne nach dem Zweiten Weltkrieg genannt wurden, ist längst vorbei. Die neuen »großen Brüder« sind Staatsbetriebe aus Ländern, in denen die Reserven liegen. Staatliche Erdölgesellschaften kontrollieren inzwischen mehr als 60 Prozent der weltweiten Förderung und rund 90 Prozent der Erdölreserven.

Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/eine_allianz_voller_ironie_1.9131115.html

RIA Novosti (Moskau) Unterschiedliche Reaktionen auf Arktis-Deal zwischen BP und Rosneft 17.1.2011

Zugleich bewertete Chris Huhne, [britischer] Minister für Energiewirtschaft und den Kampf gegen den Klimawandel, die Meldung über das geplante Abkommen zwischen BP und Rosneft als »eine gute Nachricht für Europa, die Energiesicherheit Großbritanniens und der ganzen Welt«. »Russland spielt heute eine Schlüsselrolle in der globalen Energiewirtschaft, weil auf dieses Land rund ein Fünftel der gesamten Gasproduktion und rund 13 Prozent der globalen Ölförderung entfallen«, stellte Huhne fest.

Quelle: factiva Pressedatenbank

The Wall Street Journal (New York) BP Wins Coveted Russian Prize, to Fury of Rivals and Opponents 17.1.2011, James Herron

BP’s experience in the Gulf of Mexico, “provided the company with one of its competitive advantages, which we will rely upon as we develop offshore,” said Igor Sechin, Russia’s Deputy Prime Minister and Chairman of Rosneft, on Friday. Russia’s Prime Minister, Vladimir Putin, expressed the same sentiment in typically sardonic fashion by quoting the old Russian proverb: “One beaten is worth two unbeaten.” […]

So to characterize this deal as a final roll of the dice for desperate BP is incorrect. There are many risks–geological, political, financial, regulatory–but managing this stuff is what companies like BP do.

Quelle: http://blogs.wsj.com/source/2011/01/17/bp-wins-coveted-russian-prize-to-fury-of-rivals-and-opponents/

Spiegel Wirtschaft Online (Hamburg) Neue Allianz. BP und Rosneft erkunden russische Arktis gemeinsam 16.1.2011

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die neue Allianz mit Rosneft und die geplanten Bohrungen in der Arktis: »Es scheint, das Unternehmen hat im vergangenen Jahr im Golf von Mexiko nichts gelernt”, sagte ein Vertreter der Organisation.«

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739774,00.html

New York Times Russia Embraces Offshore Arctic Drilling 15.2.2011, Andrew E. Kramer, Clifford Krauss

The ice pack and icebergs pose various threats to drilling rigs and crews. And if oil were spilled in the winter, cleanup would take place in the total darkness that engulfs the region during those months.[…] The BP agreement touched off little public reaction in Russia, in part because the environmental movement is weak but also because opposition politicians have no way to block or hinder the process.

Quelle: http://www.nytimes.com/2011/02/16/business/global/16arctic.html?_r=1

The Globe and Mail (Kanada) BP-Rosneft deal a challenge for Canada in Arctic 18.01.2011, Nathan Vanderklippe

In so doing, BP and Rosneft have set the stage for a sort of icy technological arms race that has raised important questions for Canada, which has long specialized in Arctic offshore exploration.

Quelle: http://www.theglobeandmail.com/report-on-business/industry-news/energy-and-resources/bp-rosneft-deal-a-challenge-for-canada -in-arctic/article1873712/

Frankfurter Rundschau »Bolschoi Petroleum« 18.1.2011, Christian Esch

Pikant ist schließlich auch das Zusammentreffen des Deals mit der Verurteilung von Michail Chodorkowski. Im Dezember erst wurde der Ex-Ölmilliardär in einem absurden Prozess zu einer zweiten Haftstrafe verurteilt. Beobachter sprachen von einem politischen Urteil, viele vermuteten Vizepremier Setschin dahinter. Dessen Rosneft-Konzern hatte am meisten von der Zerschlagung von Chodorkowskis Yukos-Konzern profitiert. Der BP-Rosneft-Deal »legalisiert faktisch den Yukos-Fall,« kommentierte die Moskauer Wirtschaftszeitung Wedomosti. Aber nach der Ölpest im Golf könne die Allianz BPs Reputation auch nicht mehr schaden – »der Konzern hat nichts mehr zu verlieren«.

Quelle: http://www.fr-aktuell.de

Süddeutsche Zeitung (München) BP: Riskantes Spiel in Russland. Zwischen den Stühlen der Macht 02.02.2011, Andreas Oldag

Die russischen Aktionäre des Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP rebellieren gegen eine von Dudley vor kurzem eingefädelte Kooperation mit dem staatlichen, russischen Ölkonzern Rosneft. Der BP-Konzern ist unversehens in innerrussische Intrigenspiele geraten. […] »Fridman und Co. spielen die beleidigte Braut«, so ein Londoner Ölhändler. Tatsächlich hat sich der Bräutigam – also BP – in eine verzwickte Lage manövriert, indem er an dem 2003 gegründeten Joint-Venture TNK-BP festhalten will, aber zugleich mit Rosneft anbandelt.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bp-riskantes-spiel-in-russland-zwischen-den-stuehlen-der-macht-1.1054626

FSU Oil & Gas Monitor (Edinburgh) Rosneft doesn’t want TNK-BP as a partner for BP project 16.3.2011

BP and Rosneft have been under fire from TNK-BP’s Russian shareholders since mid-January, when they unveiled plans for a share swap and joint operations at three offshore blocks in the Kara Sea. AAR [BP’s Russian partner in TNK-BP] representatives have argued that the shareholder agreement between the partners obligates BP to conduct all of its Russian business through the joint venture.

AAR has also taken legal action in a bid to stop the Kara Sea project by filing suit in the High Court of Justice, an arbitration tribunal in London. The court granted an injunction halting the deal in February and is expected to issue a ruling in early April.

Rosneft, for its part, said it had no intention of interfering in the dispute between BP and AAR. It stated, however, that it intended to defend its own interests. “Any activities aimed at disrupting the deal that cause damage to Rosneft will be closely examined. Based on such examination, Rosneft will undertake all measures to defend the rights of its shareholders, with all the resulting consequences,” the company statement said.

Quelle: www.newsbase.com

New York Times Russian Investors Seek to Block BP-Rosneft Deal 27.1.2011, Andrew E. Kramer

It is unclear whether the legal action in London might be swiftly resolved, or whether this marks the opening moves in the type of protracted fight with TNK partners that plagued BP in Russia in 2008. Before that dispute, BP had signed a strategic cooperation agreement with another state energy giant, Gazprom, but that proved no help in what became a drawn-out battle with the AAR partners.

Quelle: http://dealbook.nytimes.com/2011/01/27/russian-investors-seek-to-block-bp-rosneft-deal/

Guardian (London) Rosneft deals BP double blow 27.1.2011, Terry Macalister

AAR fears BP’s deal with Rosneft would undermine TNK-BP’s ability to compete for projects both in Russia and abroad, and would tilt BP’s commitment toward Rosneft. The oligarchs are believed to want any deal with Rosneft to be undertaken by TNK-BP, not BP alone. Industry analysts also say BP was taken aback by the new tie-up between Rosneft and Texas-based Exxon—the largest independent oil company in the world. That deal involves a $1bn (£629m) investment by Exxon to develop oil fields in the Black Sea and is the first initiative in Russia since the giant Sakhalin-1 field in the far east of the country more than a decade ago.

Quelle: http://www.guardian.co.uk/business/2011/jan/27/rosneft-deals-bp-exxonmobil?INTCMP=SRCH

gazata.ru (Moskau) TNK-BP hat es bis zum letztmöglichen Termin verschoben 4.3.2011, Jekaterina Geraschtschenko

Der korporative Konflikt zwischen Alfa Access Renova (AAR) und BP wird kaum das Geschäft zwischen BP und Rosneft verderben. »Um dies zu tun, bräuchte man eine starke politische Unterstützung«, versicherte der Analyst der [russischen Investmentfirma] »Troika Dialog« Walerij Nesterow.

Quelle: http://www.gazeta.ru/business/2011/03/04/3545877.shtml

Kommersant (Moskau) TNK-BP konnte BP im Geschäft mit Rosneft nicht ersetzen 14.3.2011, Kirill Melnikow, Jelisaweta Kusnezowa

Gleichzeitig sind die russischen Machthaber überzeugt, dass das Gericht das Geschäft zwischen BP und Rosneft nicht verhindern kann. »Wie auch immer die Entscheidung des Gerichtes ausfällt, der wir übrigens mit größter Hochachtung gegenüberstehen, Rosneft hat selbst das Recht zu bestimmen mit wem es zusammenarbeiten wird« – zitiert Interfax den Vorsitzenden des Rosneft-Aufsichtsrates, den stellvertretenden Ministerpräsidenten Igor Setschin. »Fragen der Rohstoffproduktion liegen in der Kompetenz der russischen Regierung, das Gericht hat damit nichts zu tun.«

Quelle: http://www.kommersant.ru/Doc/1600364

Zusammengestellt von Anna Michels

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Analyse

Nationale Ressourcen im globalen Kontext: Zur Internationalisierung russischer Öl- und Gaskonzerne

Von Jonas Grätz
Internationalisierung kann allgemein als ein Prozess beschrieben werden, bei dem Konzerne national verfügbare Vorteile wie Zugang zu natürlichen Ressourcen oder günstige Arbeitskraft mit den in einem anderen Land oder auf globalen Märkten verfügbaren Vorteilen kombinieren. Sie zielt dabei primär auf Kontrolle von Unternehmen in Drittländern, umfasst sekundär auch weichere Formen wie etwa strategische Partnerschaften. Die Internationalisierung russischer Öl- und Gaskonzerne ist dabei stark mit ihrem Verhältnis zu staatlichen Akteuren verbunden, die mittels der Vergabe von Lizenzen und anderer Mechanismen über die relativen Chancen der Konzerne im Inland entscheiden. Im Folgenden werden die unterschiedlichen Motive und Möglichkeiten der russischen Konzerne bei der Internationalisierung dargestellt. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei größten russischen Konzerne Gazprom, LUKoil und Rosneft. (…)
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Analyse

Trügerischer Friede? Kosten und Nutzen der Gasverträge zwischen Russland und Ukraine

Von Jonas Grätz, Kirsten Westphal
Die Erleichterung in der Europäischen Union war groß. Am 19. Januar 2009 gab Ministerpräsident Putin an Gazprom die »Anweisung«, den Gastransit durch die Ukraine »in alle Richtungen« wieder aufzunehmen. Zuvor war jeweils ein Vertrag für Gaslieferungen und Gastransit zwischen Gazprom und Naftohaz abgeschlossen worden. Europa kann aufatmen, so scheint es. (…)
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