Die Barbaren sind längst da – Junge polnische Literatur und ihre Rezeption in Deutschland

Von Natasza Stelmaszyk

Zusammenfassung
Nach 1989 kamen in Polen nach und nach Werke der jungen Schriftstellergeneration, vor allem der in den 1960er Jahren geborenen Autoren, auf den Markt. Viele von ihnen wurden relativ schnell auch im Ausland, vor allem in Deutschland, bekannt. Denn seit etwa Mitte der 1990er Jahre sind die polnischen jungen und jüngeren Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein fester Bestandteil der Programme hiesiger Verlage. Die jungen Autoren aus Polen haben für sich eine neue Welt entdeckt und greifen Themen auf, die außerhalb des polnischen Kosmos besser verstanden werden, als dies für viele polnische Schriftsteller der älteren Generation der Fall war. Die Vermittlung polnischer Literatur im deutschsprachigen Raum nach der Überwindung der politischen Teilung Europas 1989 ist im Ganzen eine Erfolgsgeschichte. Der interkulturelle Austausch entwickelt sich in diesem Bereich kontinuierlich weiter. Die Tatsache, dass die Verleger relativ oft und gerne, wenn auch in recht niedrigen Auflagen, polnische Titel herausgeben und dass – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – alle wichtigen neuen Bücher polnischer Autoren ins Deutsche übertragen werden, ist ein Indiz dafür, dass diese Bücher ihre Leser in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz finden.

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Analyse

Zum Minderheitenstatus der polnischsprachigen Migranten in Deutschland

Von Andrzej Kaluza
Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag von 1991 sichert Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen und Angehörigen der Gruppe deutscher Staatsbürger mit polnischer Abstammung oder Bekenntnis zur polnischen Sprache, Kultur oder Tradition vergleichbare Rechte zu. Die etwa 300.000 polnischen Staatsbürger, die sich als Deutsche verstehen, werden nicht nur durch den bilateralen Vertrag, sondern auch durch den polnischen Gesetzgeber als Minderheit anerkannt und genießen dadurch bestimmte Förderrechte (Bildung, Kultur, Medien) von Seiten des Staates. Dagegen hat die polnischsprachige Gruppe in Deutschland formalrechtlich nicht den Status einer nationalen Minderheit, da sie nicht zu den traditionellen in Deutschland ansässigen Minderheiten zählt, sondern aus Migranten besteht. Vertreter der »Polonia«-Organisationen in Deutschland streben diesen Status dennoch an. Der Autor weist darauf hin, dass sowohl die historischen Argumente wie auch die Ausdifferenzierung der Selbstidentifikation der Angehörigen der polnischen Gruppe in Deutschland den Status einer nationalen Minderheit nicht begründen können, gleichwohl aus dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag einzulösende Verpflichtungen (z. (…)
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