Aktuelle Ausgabe der Russland-Analysen
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Russland-Analysen Nr. 481 vom 18.05.2026


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Neue Chronik-Einträge
Russland07.05.2026Russland — 07.05.2026
In der russischen Oblast Nowosibirsk wird die massenhafte Tötung von Nutztieren angeordnet. Offiziellen Angaben zufolge erfolgte die Anweisung aufgrund eines Ausbruchs von Pasteurellose und Tollwut. Bereits Anfang März hatte das regionale Veterinäramt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb eines der Tiere positiv auf Maul- und Klauenseuche getestet und im Anschluss alle auf dem Hof lebenden Nutztiere getötet. Vertreter:innen des US-Landwirtschaftsministeriums sowie eines in der Region ansässigen Agrarkonzerns hatten zuvor vor dem Ausbruch der Krankheit in der Region gewarnt. Der Leiter der Abteilung für Seuchen- und Quarantänemaßnahmen, Sergej Tur, wurde Ende April erschossen aufgefunden.
Russland07.05.2026Russland — 07.05.2026
In einer Strafkolonie in der russischen Region Krasnodar wird Wladimir Jarozki tot aufgefunden. Offiziellen Darstellungen zufolge beging er Selbstmord. Jarozki war wegen „Verunglimpfung eines Symbols militärischen Ruhms“, der Verbreitung von „Falschinformation“ über das russische Militär und „Aufrufen zu Terrorismus“ zunächst 2023 und im weiteren Verlauf 2025 zu insgesamt fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nach Angaben eines Mithäftlings hatte Jarozki über Druck und verschärfte Haftbedingungen geklagt. Von der Menschenrechtsorganisation „Memorial“ wurde Jarozki als politischer Gefangener eingestuft. Nach Angaben des Mediums Sotavision ist Jarozki der siebte politische Gefangene, der 2026 in Haft verstirbt.
Russland08.05.2026Russland — 08.05.2026
Der russische Präsident Wladimir Putin hat für den 8. und 9. Mai eine Waffenruhe im Angriffskrieg gegen die Ukraine angeordnet, nachdem er Ende April in einem Telefonat mit dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Bereitschaft Russlands zu einer Waffenruhe rund um den 9. Mai erklärt hatte. Als Reaktion darauf kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj an, die ukrainische Arme werde ab dem 6. Mai die Waffen ruhen lassen. Überraschend gaben beide Seiten am 8. Mai bekannt, dass nach einer diplomatischen Intervention von Donald Trump eine Waffenruhe bis zum 11. Mai sowie ein weiterer Gefangenenaustausch vereinbart worden sei. In der Nacht zuvor hatten russische Behörden schwere Angriffe ukrainischer Drohnen in unterschiedlichen Regionen gemeldet. Auch die ukrainische Seite meldete russische Luftangriffe. Beide Seiten setzten ihre Angriffe auch über den 9. Mai hinaus fort.
Russland09.05.2026Russland — 09.05.2026
Der russische Präsident Wladimir Putin erklärt in seiner Ansprache anlässlich der Parade auf dem Roten Platz zum sogenannten „Tag des Sieges“, dass der Krieg gegen die Ukraine sich seinem Ende nähere. Er kritisierte dabei erneut die westliche Unterstützung für Kyjiw und sprach von einem „gerechten Krieg“. Die Feierlichkeiten zum 9. Mai finden unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen, ohne Militärtechnik und mit reduzierter internationaler Beteiligung statt. Als einzige:r Vertreter:in aus der Europäischen Union war der slowakische Ministerpräsident Fico zu Gast. Ihm sicherte Putin zu, dass Russland alles tun werde, um den Energiebedarf der Slowakei zu erfüllen. Die für das Wochenende vereinbarte Feuerpause zwischen Russland und der Ukraine hielten beide Seiten unterdessen nicht ein.
Russland10.05.2026Russland — 10.05.2026
Der russische Präsident Wladimir Putin schlägt den ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Krieg Russlands gegen die Ukraine vor. Von allen europäischen Politiker:innen würde er Gespräche mit Schröder bevorzugen, sagte Putin auf einer Pressekonferenz. Schröder steht wegen seiner Nähe zu Putin und zu russischen Konzernen in der Kritik. Die deutsche Bundesregierung reagierte zurückhaltend auf den Vorschlag. Aus den Reihen der Politik kamen gemischte Reaktionen. Grüne, Linke und FDP reagierten mit Ablehnung, die AfD zeigte sich offen.
Über die Russland-Analysen

Die Russland-Analysen bieten regelmäßig kompetente Einschätzungen aktueller politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklungen in Russland. Sie machen das Wissen, über das die wissenschaftliche Forschung in reichem Maße verfügt, für Politik, Wirtschaft, Medien und die interessierte Öffentlichkeit verfügbar. Autoren sind internationale Fachwissenschaftler und Experten.

Die Redaktion der Russland-Analysen freut sich, dekoder als langfristigen Partner für die Bereitstellung von Übersetzungen russischer journalistischer Analysen gewonnen zu haben. Auf diesem Wege möchten wir helfen, die Zukunft eines wichtigen Projektes zu sichern und dem russischen Qualitätsjournalismus eine breitere Leserschaft zu ermöglichen. dekoder.org verbindet zwei Content-Typen, die sich gegenseitig ergänzen: übersetzte Originalbeiträge russischer Medien und Erklärtexte von Wissenschaftlern aus europäischen Universitäten. Beide greifen auf dekoder.org ineinander und stellen so ein Instrument zur Verfügung, um „Russland zu entschlüsseln“ und ein direktes Eintauchen in die Debatten des Landes zu ermöglichen.

Die Russland-Analysen werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, dem Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde, dem Deutschen Polen-Institut, dem Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien und dem Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung herausgegeben.

Frühere Ausgaben der Russland-Analysen ab 2003 finden Sie im Archiv.


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