Wie lässt sich das Getreideproduktionspotenzial Russlands mobilisieren?

Von Miranda Svanidze (Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien – IAMO, Halle (Saale)), Linde Götz (Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien – IAMO, Halle (Saale)/Martin-Luther-Universität Halle), Florian Schierhorn (Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien – IAMO, Halle (Saale))

Zusammenfassung
Russland leistet schon heute als weltweit größter Weizenexporteur einen beachtlichen Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit. Zudem birgt Russland großes bislang ungenutztes Potenzial, um die Getreideproduktion weiter zu steigern. Um jedoch das Produktionspotenzial zu mobilisieren, muss zugleich das Exportpotenzial für Weizen erhöht werden. Unter den heutigen Marktbedingungen – mit zum Teil regional entkoppelter Preisentwicklung und hohen Transportkosten – kann das Produktionspotenzial insbesondere Westsibiriens und der Uralregion kaum genutzt werden. Die Mobilisierung des Getreideexportpotenzials erfordert insofern eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit des russischen Getreidemarkts. Es sind nicht nur umfassende Investitionen in die Transportinfrastruktur notwendig, sondern auch die Entwicklung von Warenterminmärkten zur Reduzierung des Preisrisikos und der Ausbau von Marktinformationssystemen zur Verbesserung der Markttransparenz.

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Lesetipps

  • Elferink, M. and Schierhorn, F. (2019). The Dormant Breadbasket of the Asia-Pacific. The Diplomat, https://thediplomat.com/2019/02/the-dormant-breadbasket-of-the-asia-pacific/.
  • Lesiv, M., Schepaschenko, D., Moltchanova, E., Bun, R., Dürauer, M., Prishchepov, A., Schierhorn, F., Estel, S., Kuemmerle, T., Alcantara, C., Kussul, N., Shchepashchenko, M., Kutovaya, O., Martynenko, O., Karminov, V., Shvidenko, A., Havlik, P., Kraxner, F., See, L. and Fritz, S. (2018). Spatial distribution of arable and abandoned land across former Soviet Union countries. Scientific Data, 5, 180056.
  • Schierhorn, F., Müller, D., Prishchepov, A., Faramarzi, M. and Balmann, A. (2014). The potential of Russia to increase its wheat production through cropland expansion and intensification. Global Food Security 3 (3–4), 133–141.
  • Svanidze, M. and Götz, L. (2019). Spatial market efficiency of grain markets in Russia: Implications of high trade costs for export potential. Global Food Security 21, 60–68.
  • Svanidze, M. and Götz, L. (2019). Spatial market efficiency of grain markets in Russia and global food security: A comparison with the USA. IAMO Discussion Paper No. 187, Halle (Saale): IAMO.
  • Svanidze, M. und L. Götz (2019): Determinants of spatial market efficiency of grain markets in Russia, Food Policy (forthcoming).
  • Swinnen, J., Burkitbayeva, S., Schierhorn, F., Prishchepov, A.V. and Müller, D. (2017). Production potential in the “bread baskets” of Eastern Europe and Central Asia. Global Food Security 14, 38–53.

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Die »Neue Seidenstraße« und Russland: zwischen Geopolitik und Wirtschaft

Von Ivan Zuenko
Die vergangenen zwei Jahrzehnte waren eine Periode einer stetigen Annäherung zwischen Russland und China. Dieser Prozess ist Mitte der 2010er Jahre – angesichts der »Krimkrise«, der Verschlechterung der Beziehungen Russlands zum Westen und des Beginns des chinesischen Integrationsprojektes »Belt and Road Initiative« (BRI), in dem Russland eine gute Möglichkeit zur Bewältigung seiner geopolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben erblickte, – intensiver geworden. Die Haltung Moskaus zu Pekings Initiative bleibt positiv, auch wenn Russland in den vergangenen sechs Jahren seit Beginn der BRI nicht jenen Strom an chinesischen Investitionen erhalten hat, mit dem es gerechnet hatte. Bedenkt man jedoch, dass die Qualitätsanforderungen an die Investitionen ursprünglich recht streng waren und die Ziele einer »Beteiligung« an der chinesischen Initiative auf dem Gebiet der Geopolitik und des Aufbaus einer multipolaren Welt lagen, ist die Politik Moskaus hinsichtlich der BRI als effektiv zu bezeichnen.
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Der Aufstieg Russlands zum weltweit größten Weizenexporteur: Bedeutung für den globalen Getreidehandel

Von Maximilian Heigermoser, Linde Götz
Russland ist seit der Jahrtausendwende zum größten Weizenexporteur der Welt aufgestiegen. Während anfangs vor allem Märkte in Nordafrika und dem Nahen Osten bedient wurden, findet russischer Weizen heute vermehrt auch Nachfrage in Subsahara-Afrika und Süd- bzw. Südostasien. Umfangreiche Investitionen in moderne Hafen- und Lagerungseinrichtungen ermöglichen mittlerweile eine gleichmäßig über das Jahr verteilte Getreideausfuhr. Der Weizenexport Russlands ist durch mehrere Besonderheiten geprägt: durch ein stark schwankendes Exportangebot bedingt durch Ernteausfälle und damit verbundene Handelsbeschränkungen, durch Marktintransparenz infolge kaum entwickelter Warenterminmärkte und durch den starken Einfluss des Rubel-Wechselkurses auf die Weizenpreisbildung, mit den entsprechenden negativen Folgen für die Preisvolatilität. (…)
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