Die Bewegung der Aids-Leugner in Russland

Von Ulla Pape (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin)

Zusammenfassung
Das Leugnen der Aids-Epidemie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem weitverbreiteten Phänomen in Russland entwickelt. Die Aids-Leugner bestreiten die Existenz der Aids-Epidemie und den Zusammenhang zwischen HIV und Aids. Sie versuchen mit Falschinformationen, Betroffene von der antiretroviralen Therapie als lebenserhaltende Behandlung abzuhalten bzw. zum Therapieabbruch zu motivieren. Die antiwissenschaftliche Bewegung der Aids-Leugner findet vorwiegend im Internet Verbreitung. Es gibt jedoch vermehrt auch russische Ärzte, die als Anhänger der Aids-Leugnung in den Medien auftreten. Da die Aids-Leugnung vermehrt Zuspruch unter Patienten findet und zur allgemeinen Tabuisierung beiträgt, stellt sie ein schwerwiegendes Problem für die Bekämpfung der Aids-Epidemie in Russland dar.

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Lesetipps

Barnett, T.; Whiteside, A. (2006). AIDS in the 21st Century. Disease and Globalization, 2nd ed. (Basingstoke, HA: Palgrave Macmillan).

Kalichman, S.; Eaton, C.; Cherry, L. (2010). “There is no proof that HIV causes AIDS”: AIDS denialism beliefs among people living with HIV/AIDS. Journal of Behavioral Medicine,33(6), 432–440.

Kalichman, S. (2014). The Psychology of AIDS Denialism. European Psychologist, 19(1), 13–22.

Meylakhs, P.; Rykov, Y.; Koltsova, O.; & Koltsov, S. (2014). An AIDS-denialist online community on a Russian social networking service: Patterns of interactions with newcomers and rhetorical strategies of persuasion. Journal of Medical Internet Research,16(11), E 261.

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Pape, U. (2014). The Politics of HIV/Aids in Russia. London / New York: Routledge.

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Rykov, Y.; Meylakhs, P.; Sinyavskaya, Y.; Gruzd, A.; Jacobson, J.; Wellman, B.; Mai, P. (2017). Network Structure of an AIDS-Denialist Online Community: Identifying Core Members and the Risk Group. American Behavioral Scientist, 61(7), 688 –706.

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Analyse

Gesundheitsreformen und ihre Ergebnisse

Von Anastasia Novkunskaya
Der vorliegende Beitrag befasst sich mit den staatlichen Gesundheitsreformen der letzten Jahrzehnte in Russland. Diese haben zu tiefgreifenden Veränderungen des staatlich finanzierten Gesundheitswesens geführt. Der Beitrag beschreibt die Umgestaltung des Gesundheitswesens und analysiert wichtige politische Trends. Es soll gezeigt werden, dass die Veränderungen im Bereich des Gesundheitswesens vom Staat gelenkt werden, einem Top-down-Prinzip folgen und zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt haben. Außerdem soll die relative Unbeweglichkeit der institutionellen Rahmenbedingungen nachgewiesen werden: Etliche Regulierungs- und Organisationsprinzipien aus der Sowjetzeit wurden beibehalten. (…)
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Analyse

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