2000Russlands Entwicklung unter Putin im Jahre 2000
31.12.1999Als eine der ersten Amtshandlungen garantiert Putin Jelzin Freiheit von Strafverfolgung. Putin nimmt Umbesetzungen in der Präsidialverwaltung vor. Woloschin wird als Leiter der Administration bestätigt, erhält mit Dmitrij Medwedew und Igor Setschin aber zwei neue Stellvertreter.
3.1.2000Tatjana Djatschenko wird aus ihrer Position als Imageberaterin des Präsidenten entlassen.
5.1.2000Der Föderationsrat setzt den 26.3.2000 als Termin für die Präsidentenwahlen fest.
10.1.2000Putin entlässt Pawel Borodin, der die Vermögens- und Liegenschaftsabteilung der Präsidialadministration geleitet hatte. Umbesetzungen in der Regierung. Kasjanow wird Erster Stellvertretender Ministerpräsident. Aksenenko und Christenko verlieren diesen Rang. Aksenenko bleibt aber Eisenbahnminister, Christenko wird einer von sieben Stellvertretenden Ministerpräsidenten. Shoigu, der auf ein Abgeordnetenmandat verzichtet hat, wird zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten befördert.
18.1.2000Eröffnungssitzung der 7. (3.) Staatsduma.
Sitzverteilung der Fraktionen und Deputiertengruppen: Medwed (Jedinstwo) 81 Sitze, Gruppe "Volksdeputierter" 58, Regionen Russlands 39, Union der Rechten Kräfte 32, LDPR (Block Shirinowskij) 17, KPRF 94, Jabloko 21, Vaterland-Ganz Russland 46, Agro-industrielle Gruppe 37, Unabhängige 16.
Gennadij Selesnjow wird zum "Spiker" gewählt. Seine Wahl wird durch ein Bündnis von Jedinstvo, LDPR und KPRF möglich. Nachdem sich diese Gruppierung auch die Mehrzahl der Ausschussvorsitze aneignet, erklären Vaterland-Ganz Russland, Jabloko und Union der Rechten Kräfte einen Dumaboykott.
25.1.2000Auf dem Gipfeltreffen der GUS in Moskau wird Putin zum Vorsitzenden des Rats der GUS-Staatsoberhäupter gewählt.
26.1.2000Die Union zwischen Russland und Belarus tritt in Kraft. Lukaschenko wird Vorsitzender des Obersten Staatsrats der Union, Kasjanow Vorsitzender des Ministerrats und Pawel Borodin Staatssekretär der Union.
27.1.2000Reuters meldet, dass die Schweizer Polizei wenige Tage zuvor einen internationalen Haftbefehl für Pawel Borodin wegen des Tatbestands der Geldwäsche erlassen hat. Schweizer Behörden bestätigen die Meldung nicht.
27.1.2000Durch Erlass des Präsidenten wird Tatjana Djatschenko von ihrem Sitz im Kollegium von ORT entbunden. Kasjanow, Jakuschkin und Seslawinskij behalten ihre Positionen, Alexej Gromow, Leonid Reiman und Igor Schabdurasulow treten in das Gremium neu ein.
28.1.2000Vaterland-Ganz Russland, Jabloko und Union der Rechten Kräfte, die einen Dumaboykott erklärt hatten, nehmen wieder an den Dumasitzungen teil.
28.1.2000Andrej Babizkij, Korrespondent von RFE/RL in Tschetschenien, wird von russischen Streitkräften festgenommen. Angeblich wird er am 3.2. gegen drei russische Kriegsgefangene ausgetauscht und an die tschetschenische Seite übergeben. Sein Aufenthaltsort ist unklar.
1.2.2000Der suspendierte Generalstaatsanwalt Skuratow wird von der Generalstaatsanwaltschaft formal wegen Amtsmissbrauchs angeklagt.
2.2.2000Treffen zwischen Putin und der amerikanischen Aussenministerin Madeleine Albright.
3.2.2000Ein russischer Tanker wird im Persischen Golf unter der Beschuldigung gestoppt, Öl aus dem Irak geladen zu haben.
3.2.2000Tschetschenische Kampfgruppen versuchen, aus Grosny auszubrechen.
5.2.2000Nach Angaben von Human Rights Watch (vom 2.6.2000) haben russische Truppen in Aldi, einem Vorort von Grosny, ein Massaker angerichtet, in dem wenigstens 60 Zivilisten getötet wurden.
7.2.2000Grosny befindet sich in der Hand der russischen Truppen.
11.2.2000Russland und der "Londoner Klub" kommen zu einer Übereinkunft betreffs der russischen Schulden. Danach werden 36,5% der Schulden aus der Sowjetzeit abgeschrieben. Der Rest soll nach einem Moratorium von 7 Jahren in 30 Jahren zurückgezahlt werden.
13.2.2000Ende der Kandidatenanmeldung für die Präsidentschaftswahlen. Zu den Bewerbern zählen u.a.: Gennadij Sjuganow, Alexei Podberezkin, Wladimir Putin, Jurij Skuratow, Wladimir Schirinowskij, Aman Tulejew, Stanislaw Goworuchin, Konstantin Titow, Grigorij Jawlinskij, Ella Pamfilowa, Jewgenij Sawostjanow und Umar Dschabrailow.
19.2.2000Kommersant meldet, dass Putin interveniert hat, um den Bankrott der Promstrojbank zu verhindern, den die Zentralbank betreibt.
20.2.2000Der ehemalige Bürgermeister von Petersburg, Anatolij Sobtschak, stirbt an einem Herzanfall.
25.2.2000Sprecher des Innen- und des Verteidigungsministeriums bezeichnen ein Video als Fälschung, das zeigt, wie russische Soldaten Leichen - anscheinend Tschetschenen - in Massengräbern beerdigen.
25.2.2000 Der vermisste Journalist Andrej Babizkij meldet sich aus einem Gefängnis in Dagestan. Haftgrund ist angeblich ein gefälschter Pass. In wessen Hand er sich nach dem 3.2. befand, ist unklar. Am 29.2. wird er nach Moskau geflogen und freigelassen.
29.2.2000Heftige Gefechte im Argun-Tal in Tschetschenien. Eine Kompanie des 104. Luftlanderegiments wird nahezu aufgerieben. Sie verliert zwischen dem 29.2 und dem 3.3. 84 Mann.
3.3.2000Moskauer OMON-Truppen geraten im Rayon Staraja Sunsha, nördlich von Grosny, in einen Hinterhalt. 18 Soldaten fallen.
5.3.2000In einem Interview mit dem BBC-Fernsehen erklärt Putin, dass er langfristig eine Mitgliedschaft Russlands in der NATO nicht ausschliesse.
13.3.2000Putin teilt mit, dass der tschetschenische Feldkommandant Radujew gefangenommen wurde und am Vortag nach Moskau transportiert worden ist.
16.3.2000Die "Novaja gazeta", eine regierungskritische Zeitung, kann nicht erscheinen, nachdem Hacker ihren Zentralcomputer lahmgelegt haben.
26.3.2000Im 1. Wahlgang der vorgezogenen Präsidentenwahlen setzt sich Wladimir Putin mit absoluter Mehrheit der gültigen Stimmen (52,94%) durch. Sjuganow erhält 29,21%, Jawlinskij 5,8%, Tulejew 2,95% und Schirinowskij 2,7%. Wahlbeteiligung 68,64%.
29.3.2000Bei Zhani-Vedeno in Südtschetschenien gerät eine gepanzerte Kolonne des Permer OMON in einen Hinterhalt. 25 Soldaten fallen, 18 werden verwundet, 11 als vermisst gemeldet.
6.4.2000Der Europarat beschliesst, Russlands Mitgliedschaft zu suspendieren, wenn es die Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien nicht einstellt. Gleichzeitig wird den 18 russischen Europaratsabgeordneten das Stimmrecht entzogen. Diese verlassen daraufhin die Versammlung.
12.4.2000Putin ernennt Andrej Illarionow, den Direktor des Instituts für ökonomische Analyse, zu einem seiner Wirtschaftsberater. Illarionow wird in der russischen Presse als "ultraliberal" beschrieben.
14.4.2000Die Duma ratifiziert den START-II Vertrag mit 288 gegen 131 Stimmen.
14.4.2000Der Konflikt zwischen dem Stromkonzern EES Rossii (Tschubajs) und dem Erdgasmonopolisten "Gazprom" (Wjachirew) wird nach einem Treffen mit Putin angeblich beigelegt.
17.4.2000Im Rahmen einer eintägigen Visite in Grossbritannien trifft Putin den britischen Premierminister Tony Blair und wird von der Königin empfangen.
17.4.2000Bekanntgabe des Zusammenschlusses zweier grosser Aluminium-Produzenten. Der neue Konzern "Russkij aljuminij" beherrscht der 70-80% des russischen Aluminium-Marktes.
19.4.2000Der Föderationsrat entlässt den suspendierten Generalstaatsanwalt Skuratow aus dem Amt. 133 der Senatoren stimmen für die Absetzung, 10 dagegen, 6 enthalten sich.
26.4.2000Bei Serschen-Jurt, südöstlich von Grosny geraten russische Truppen in einen Hinterhalt. 10 Soldaten fallen.
28.4.2000Übergabe von Teilen des Bernsteinzimmers an die russische Regierung durch den Bremer Bürgermeister Scherf und den Kulturbeauftragten der deutschen Bundesregierung, Naumann. Am 29.4. begrüsst Putin die deutsche Delegation persönlich.
28.4.2000Die Rüstungsexporteure "Promeksport" und "Rossijskie technologii" werden durch Präsidentenerlass vereinigt. Das neue Unternehmen soll Teil des staatlichen Rüstungsexportunternehmens "Roswoorushenie" werden.
29.4.2000Informelles Treffen zwischen Putin und dem japanischen Premierminister Yoshiro Mori in St. Petersburg.
7.5.2000Amtseinsetzung des neuen Präsidenten.
11.5.2000Ein Kommando des Innenministeriums (MVD) durchsucht die Büros des Medienkonzerns Media-Most. Sprecher des Unternehmens interpretieren das Vorgehen des MVD als Reaktion auf die kritische Berichterstattung von NTV und Segodnja.
11.5.2000500 tschetschenische Guerillakämpfer greifen einen russischen Militärkonvoi bei Galaschki (Inguschetien) an. 16 Soldaten fallen.
13.5.2000Durch Präsidialdekret werden 7 Grossregionen geschaffen (Zentrum, Nordwest, Nordkaukasus, Wolga, Ural, Sibirien, Fernost). In jeder soll ein Vertreter des Präsidenten residieren, der die Politik der zugeordneten Föderationssubjekte überwacht. Die Präsidentenvertreter in den 89 Föderationssubjekten werden abgeschafft.
14.5.2000In Petersburg wird Bürgermeister Wladimir Jakowlew mit grosser Mehrheit (72,7% der Stimmen) in seinem Amt bestätigt. Die Wahlbeteiligung betrug 47%.
17.5.2000Die Zeitung "Vedomosti" meldet, dass die Zentralbank beabsichtigt, die Most-Bank unter eine externe Verwaltung zu stellen.
17.5.2000Die Duma wählt den von Putin vorgeschlagenen Kandidaten, Michail Kasjanow, mit 322 gegen 55 Stimmen bei 15 Enthaltungen zum neuen Ministerpräsidenten.
17.5.2000 Auf Vorschlag Putins wählt der Föderationsrat Wladimir Ustinow zum Generalstaatsanwalt. Noch am Tag zuvor galt als sicher, dass Dmitrij Kosak nominiert wird. Dies soll Aleksandr Woloschin aber im letzten Moment verhindert haben.
17.5.2000Putin löst das Staatskomitee für Umweltschutz auf.
18.5.2000Restrukturierung der Regierung. Die Zahl der Ministerien soll von 30 auf 24, die anderer föderaler Behörden von 39 auf 33 verringert werden. 2 Ministerien (für Wirtschaftsentwicklung und Handel, Wissenschaftsindustrie und Technologie) entstehen neu.
Im Amt bleiben die stellvertretenden Ministerpräsidenten Valentina Matwienko, Viktor Christenko und Ilja Klebanow, Nikolaj Aksenenko (Eisenbahnverkehr), Farit Gasisullin (Staatseigentum), Ilja Juschanow (Demonopolisierung), Wladimir Filippow (Bildung), Jewgenij Adamow (Atomenergie), Sergej Frank (Verkehr), Michail Schwydkoj (Kultur), Jurij Schewtschenko (Gesundheit), Boris Jazkewitsch (Bodenschätze), Leonid Reiman (Kommunikation), Michail Lesin (Medien), Alexander Blochin (Föderation, Nationalitäten).
Ferner: Igor Sergejew, 62 (Verteidigung), Igor Iwanow, 54 (Auswärtiges), Wladimir Ruschajlo, 46 (Innenressort), Sergej Schojgu, 44 (Katastrophenhilfe), Nikolaj Patruschew, 48 (FSB - Inlandsgeheimdienst), Jurij Tschajka, 48 (Justiz).
Neu eingesetzt werden: Alexej Kudrin (Finanzen), German Gref (Wirtschaftsentwicklung und Handel/neu), Gennadij Bukaew (Steuerminister), Alexander Potschinok (Arbeitsministerium), Alexander Dondukow (Wissenschaftsindustrie und Technologie/neu).
18.5.2000 Der FSB durchsucht die Geschäftsräume des Moskauer Internet-Providers Zenon NSP.
20.5.2000Alexej Gordin wird Landwirtschaftsminister und Stellvertretender Ministerpräsident. Alexander Gavrin wird anstelle von Viktor Kaljushnyj Energieminister. Zum Chef des Auslandsnachrichtendienstes SVR ernennt Putin Sergej Lebedew.
22.5.2000 Das "Zentrum für Strategische Studien" (German Gref), das als Putins "think tank" gilt, präsentiert der Regierung sein ökonomisches Programm. Ministerpräsident Kasjanow kündigt an, daß die Ministerien den Plan durchsehen werden. Bis Mitte Juni will dann die Regierung ein eigenes Wirtschaftsprogramm vorlegen.
22.5.2000Putins Sprecher für Tschetschenien, Jastrschembskij, erklärt, Russland würde Luftangriffe auf Taliban-Lager in Erwägung ziehen, wenn diese die Tschetschenen militärisch unterstützen.
23.5.2000 Steuerpolizei durchsucht in 26 Regionen Büros des Kfz-Herstellers AvtoVAZ und beschlagnahmt u.a. Abhöreinrichtungen. Hintergrund ist ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Manipulation mit Valutaeinnahmen. Russische Beobachter sind sich uneinig, ob sich die Aktion gegen den Finanzmagnaten Beresowskij oder gegen den Chef von AvtoVAZ, Kadannikow, richtet.
23.5.2000 Der neue Generalstaatsanwalt Ustinow gibt bekannt, dass in jedem der sieben neuen föderalen Verwaltungsbezirke ein Büro der Generalstaatsanwaltschaft eingerichtet wird.
24.5.2000Gipfeltreffen der Mitgliederstaaten des Taschkenter Vertrags über Kollektive Sicherheit (Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgistan, Russland und Tadschikistan) in Minsk.
26.5.2000Putin löst Alexander Liwschiz als Botschafter des Präsidenten bei der G7 ab und ersetzt ihn durch Andrej Illarionow.
27.5.2000Putin bestätigt Alexander Woloschin als Leiter der Präsidialverwaltung und Sergej Iwanow als Sekretär des Sicherheitsrates.
Ständige Mitglieder des Sicherheitsrates sind: Michail Kasjanow (Ministerpräsident), Igor Iwanow (Äusseres), Igor Sergejew (Verteidigung), Nikolaj Patruschew (FSB).
Ferner gehören ihm an: Woloschin (Präsidialverwaltung), Gennadij Selesnjow (Dumavorsitzender), Jegor Strojew (Föderationsratvorsitzender), Wladimir Ruschailo (Inneres), Jurij Tschajka (Justiz), Sergej Schojgu (Katastrophenschutz), Wladimir Ustinow (Generalstaatsanwalt), Wladimir Matjuchin (FAPSI), Sergej Lebedew (SVR), Konstantin Tozkij (Föderaler Grenzdienst), Jurij Osipow (Präsident, Akademie der Wissenschaften) sowie die sieben Präsidentenvertreter in den Föderalen Verwaltungsbezirken.
28.5.2000Putin unterzeichnet den Atomteststoppvertrag, der am 21.4. von der Duma und am 17.5. vom Föderationsrat ratifiziert worden ist.
29.5.2000EU-Russland-Gipfel in Moskau.
30.5.2000Sergej Zwerew, der stellvertretende Vertreter der russischen Regierung in Tschetschenien, und die Vizebürgermeisterin von Grosny, Nurseda Chabusejewa, werden bei einem Bombenanschlag auf ihren Wagen getötet. Der Bürgermeister wird verletzt.
30.5.2000Nikolaj Koschman, der russische Regierungsbeauftragte in Tschetschenien, entlässt seinen Stellvertreter Bislan Gantemirow, der sich aber weigert, den Erlass zur Kenntnis zu nehmen. Gantemirow wirft Koschman seinerseits mangelnde Führungsfähigkeit vor.
31.5.2000Bei einem Bombenanschlag auf eine militärische Einrichtung in Wolgograd sterben zwei Soldaten, 15 werden verletzt.
31.5.2000Der liberale Ökonom, Alexej Uljukajew, wird stellvertretender Finanzminister.
31.5.2000 Die Duma verabschiedet in 1. Lesung drei von Putin vorgeschlagene Gesetze, mit denen das föderale Systems reformiert wird. U.a. wird das Verfahren, mit dem die Mitglieder des Föderationsrats bestimmt werden, geändert. Ferner erhält der Präsident die Möglichkeit, Gouverneure abzusetzen und Regionalparlamente aufzulösen.
1.6.2000Der ehemalige Minister für Brennstoff und Energie, Viktor Kaljushnyj, wird zum Stellvertretenden Aussenminister ernannt.
2.6.2000Swjatoslaw Fjodorow, Augenarzt und Unternehmer, der ein Verfahren zur Laserbehandlung von Kurzsichtigkeit entwickelt hat und 1996 für die Präsidentschaft kandidierte, stirbt, als sein Hubschrauber bei Tuchino (im Nordwesten von Moskau) abstürzt.
3.6.2000Kommersant berichtet, dass ein Gericht in Moskau die Durchsuchung der Büros von Media-Most für ungesetzlich erklärt hat. Die beschlagnahmten Unterlagen sollen zurückerstattet werden.
3.6.2000Erlass über Reorganisation der Präsidialverwaltung. Insgesamt bleiben vier Abteilungen bestehen (Inneres, Regionen, Kontrolle, Staat und Recht). Erster stellvertretender Leiter bleibt Dmitrij Medwedew. Stellvertreter sind Viktor Iwanow, Alexander Abramow, Igor Setschin, Wladislaw Surkow, Dshachan Pollyewa und Dmitrij Kosak.
3.-4.6.2000Russisch-amerikanisches Gipfeltreffen in Moskau. Hauptthema sind der ABM-Vertrag und der amerikanische Plan ein "National Missile Defense"-System einzurichten.
Abgabe einer gemeinsamen Erklärung über strategische Stabilität, Unterzeichnung von Abkommen über die Reduzierung der Vorräte an waffenfähigem Plutonium und Einrichtung eines Frühwarnzentrums in Moskau.
5.6.2000 Offizieller Besuch Putins in Italien. Gespräche mit Ministerpräsident Amato.
Putin wird von Papst Johann Paul II. in Privataudienz empfangen.
7.6.2000 Der Föderationsrat bestätigt die Vertreter des Generalstaatsanwalts in den sieben föderalen Verwaltungsbezirken (Fernost: K. Tschajka, Sibirien: W. Simutschenkov, Wolga: A. Sbjaginzev, Nordwesten: V. Subrin, Nordkaukaus: S. Fridinskij, Zentrum: N. Makarow).
7.6.2000Der frühere Wirtschaftsberater von Präsident Jelzin, Alexander Liwschiz, übernimmt die Leitung der Bank "Rossijskij kredit". Parallel dazu erhält er die Funktion eines nichtbeamteten Beraters von Ministerpräsident Kasjanow.
7.6.2000Bombenanschlag auf einen Polizeiposten südwestlich von Grosny. Wenigstens zwei OMON-Polizisten werden getötet, fünf verletzt. Angehörige der Polizeieinheit hatten eine Woche zuvor das Wohnhaus des tschetschenischen Feldkommandanten Arbi Barajew gesprengt.
7.6.2000Treffen zwischen Putin und der finnischen Staatspräsidentin Halonen in Moskau.
8.6.2000Putin dekretiert die Bildung einer provisorischen Verwaltung in Tschetschenien. Diese ist direkt dem russischen Präsidenten unterstellt.
9.6.2000Verteidigungsminister Sergejew stellt in Brüssel NATO-Vertretern Putins Plan für ein gemeinsames europäisches Raketenverteidigungssystem vor.
9.6.2000In Grosny wird eine Ambulanz beschossen. Drei Insassen werden getötet, drei weitere werden verletzt.
10.6.2000Generalstabschef Kwaschnin wird zum Mitglied des Sicherheitsrates ernannt.
11.6.2000Bei einem Bombenanschlag auf einen Polizeiposten in der Nähe von Grosny sterben wenigstens zwei russische Polizeibeamte, weitere werden verletzt.
12.6.2000Achmed Kadyrow, ein hoher tschetschenischer Geistlicher, wird zum Leiter der provisorischen Verwaltung in Tschetschenien bestimmt.
12.6.2000Der Fernsehsender ORT berichtet, dass FSB und Steuerpolizei die Räume des privaten Sicherheitsdienstes Sokol-JuNS durchsucht haben. Der Dienst arbeitet mit der Schweizer Firma Mabetex zusammen, der u.a. nachgesagt wird, sie habe die Umgebung Jelzins bestochen.
12.-14.6.2000Staatsbesuch des russischen Präsidenten Putin in Spanien. Es wird ein Abkommen über die Verbesserung der bilateralen Beziehungen unterzeichnet.
13.6.2000Vladimir Gusinskij, der Führer von Media-Most, wird nach einem Verhör vorläufig festgenommen. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft erklärt, Gusinskij habe den Staat um 10 Mio. US$ betrogen.
14.6.200017 russische Geschäftsleute wenden sich in einem Brief an Putin und protestieren gegen Gusinskijs Verhaftung. Die Initiative geht von Fridman und Awen (Alfa-Gruppe) aus. Zu den Unterzeichnern gehören: Wjachirew (Gazprom), Tschubajs (EES Rossii), Alekperow (LUKojl), Potanin (Interrros), Chodorkowskij (JuKOS) und Jewtuschenkow (Sistema). Nicht unterzeichnet haben Beresowskij, Abramovitsch (Sibneft) und Deripaska (Russkij Aljuminij)
14.-16.6.2000Staatsbesuch des russischen Präsidenten Putin in Deutschland. Bundeskanzler Schröder bezeichnet das Treffen als einen "wirklich substantiellen Neubeginn der bilateralen Beziehungen".
15.6.2000Imam Umar Idrisow, ein Unterstützer von Achmed Kadyrow, dem Vorsitzenden der provisorischen Verwaltung von Tschetschenien, wird durch zwei Schüsse in den Kopf getötet.
16.6.2000Nach zahlreichen Protesten aus dem In- und Ausland wird Gusinskij, der Vorsitzende der Holding Media-Most, aus der Haft entlassen.
16.-17.6.2000Arbeitsbesuch des russischen Präsidenten Putin in Moldowa.
19.6.2000Der neuernannte Chef der provisorischen Verwaltung von Tschetschenien, Kadyrow, nimmt den Termin für die offizielle Amtseinführung nicht wahr und wirft seinem Vorgänger, Koschman, vor, die Übergabe der Verwaltungsgeschäfte zu sabotieren.
19.-20.6.2000Arbeitsbesuch des kasachischen Präsidenten Nasarbajew in Moskau.
20.6.2000Offizielle Amtseinführung Kadyrows als Leiter der provisorischen Verwaltung in Tschetschenien.
21.6.2000Ein Moskauer Gericht lehnt es ab, ein Verfahren einzuleiten, um die Privatisierung von "Norilskij Nikel" rückgängig zu machen. Der Generalstaatsanwalt vertritt die Ansicht, dass die Übernahme von 38% der Aktien durch Potanins Interros im Rahmen des "loans for shares"-Verfahrens 1997 ungesetzlich war.
21.6.2000Jabloko und die Union der Rechten Kräfte (SPS) unterzeichnen ein Abkommen über Zusammenarbeit, das am 1.9.2000 in Kraft treten soll.
21.6.2000Gipfeltreffen der GUS-Staaten. Die 12 Staatsoberhäupter verabschieden ein Programm zur Errichtung einer Freihandelszone.
23.6.2000Die Staatsduma verabschiedet in zweiter und dritter Lesung das Gesetz über die Zusammensetzung des Föderationsrates. Danach sollen in Zukunft nicht der Gouverneur und der Vorsitzende des Regionalparlaments das Föderationssubjekt im Rat repräsentieren. Vielmehr sollen diese beiden jeweils einen Kandidaten benennen, über den das Regionalparlament dann abstimmt.
23.6.2000Der Sicherheitsrat verabschiedet eine neue Doktrin über Informationssicherheit.
25.-30.6.2000Heftige Kämpfe bei Serschen-Jurt, südlich von Grosny. Russische Stellen beziffern die tschetschenischen Kräfte auf 200 Mann. Die Angaben über die Verluste beider Seiten sind widersprüchlich.
26.6.2000Der indische Verteidigungsminister trifft zu einem fünftägigen Besuch in Moskau ein. Er wird u.a. von Präsident Putin empfangen.
28.6.2000Das Kabinett Kasjanow verabschiedet die Rahmendaten der auf 10 Jahre angelegten mittelfristigen Wirtschafts- und Sozialpolitik Das Programm soll im Herbst vorgelegt werden. Ferner werden die Parameter für die Wirtschaftspolitik der nächsten 18 Monate verabschiedet. Das Programm selbst wird in zwei Wochen vorgelegt. Es sieht u.a. eine strenge Sparpolitik und eine Steuerreform vor.
28.6.2000Das russische Oberhaus, der Föderationsrat, lehnt die Gesetze zur Reform des Föderationsrates mit 129 gegen 13 Stimmen ab.
28.6.2000Wjatscheslaw Trubnikow, vormals Chef des Auslandsnachrichtendienstes SVR, wird Stellvertretender Aussenminister mit dem Rang eines föderalen Ministers.
30.6.2000 Die Staatsduma verabschiedet in zweiter und dritter Lesung ein Gesetz, das dem Präsidenten das Recht gibt, Gouverneure abzusetzen bzw. Regionalparlamente aufzulösen, falls diese mehr als einmal Föderationsgesetze verletzen.
30.6.2000Gespräche einer russischen Militärdelegation unter Generaloberst Iwaschow in Teheran. Russland und Iran wollen ihre militärische Zusammenarbeit ausbauen. Ferner ist ein russisch-iranischer Gipfel geplant.
30.6.2000Putin unterzeichnet ein neues aussenpolitisches Konzept.
1.7.2000 Neun russische Soldaten werden getötet und sieben verletzt, als ihr gepanzerter Mannschaftstransportwagen bei Awtura auf eine Mine fährt. Tschetschenischen Quellen zufolge, die von russischer Seite nicht bestätigt werden, finden dort grössere Gefechte statt, bei denen die Russen hohe Verluste erleiden.
2.7.2000 Konstantin Titow, langjähriger Gouverneur in Samara, wird mit absoluter Mehrheit wiedergewählt. Titow, der bei den Präsidentschaftswahlen im März 2000 kandidiert hatte, war nach seinem schlechten Abschneiden zurückgetreten und hatte Neuwahlen angesetzt.
2.-3.7.2000 Tschetschenische Selbstmordanschläge auf russische Militäreinrichtungen in vier Städten (Argun, Gudermes, Urus-Martan, Nowogrosny), bei denen 33 Soldaten sterben und 84 verletzt werden. Drei werden vermisst.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums werden allein in Argun 21 Angehörige einer OMON-Einheit aus Tscheljabinsk getötet und 24 verletzt. Drei werden vermisst. In Gudermes sterben zwei Soldaten, fünf werden verletzt. In Novogroznyj werden vier getötet, 17 verletzt. In Urus-Martan gab es beim russischen Militär drei Tote und sechs Verletzte.
Insgesamt - mit zivilen Opfern - soll die Gesamtzahl der Toten 50 Personen betragen.
4.7.2000 Die Dumafraktion der Partei "Einheit" stösst Wladimir Ryschkow, den ehemaligen Fraktionsvorsitzenden von "Unser Haus Russland", aus, da dieser sich gegen die Gesetze zur Änderung der Föderation ausspricht.
5.7.2000 Zentralasiengipfel in Duschanbe, an dem die Staatsoberhäupter Russlands, Chinas, Kasachstans, Kirgistans und Tadschikistans teilnehmen.
6.7.2000 Bei einem überraschend angesetzten Treffen auf dem Truppenstützpunkt Mosdok (Nordossetien) kritisiert Putin Verteidigungsminister Sergejew und Innenminister Ruschajlo mit grosser Schärfe. Er erklärt, dass man "mit mehr Disziplin, Professionalität und Verantwortungsbewusstsein" die Selbstmordanschläge hätte verhindern können.
6.7.2000 Die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Verfahren gegen Michail Alexandrow wegen des illegalen Besitzes von Feuerwaffen. Alexandrow, ein Mitarbeiter Gusinskijs, wird verhaftet.
7.7.2000 "Botschaft an die Föderalversammlung". Alljährliche Rede des Präsidenten vor Duma und Föderationsrat, die gemeinsam die Föderalversammlung bilden.
Hauptpunkte: Starker Staat, Herrschaft des Gesetzes, demographische Probleme, weniger Staat in der Wirtschaft, Freiheit der Rede, Rückbesinnung auf russische Werte, weniger Macht für die Regionen, Notwendigkeit von Sozialpolitik, Gefahren, die von Tschetschenien ausgehen.
7.7.2000 Die Duma verabschiedet in der dritten Lesung mit 334 gegen 27 Stimmen bei drei Enthaltungen ein Gesetz, das dem Präsident das Recht gibt, Gouverneure abzusetzen. Am selben Tag lehnt das russische Oberhaus, der Föderationsrat, das Gesetz mit 83 gegen 16 Stimmen bei neun Enthaltungen ab. Es wird ein Vermittlungsausschuss eingesetzt.
9.7.2000 Bei einem Bombenanschlag auf einem Markt in Wladikawkas (Nordossetien) werden sechs Personen getötet und 18 verletzt. Der Anschlag ist nach russischen Angaben ein Versuch, Nordossetien zu destabilisieren.
Bombenanschlag auf einen Supermarkt in Rostov am Don. Hintergrund ist wahrscheinlich eine Auseinandersetzung zwischen konkurrierenden Unternehmen.
10.7.2000 Aussenminister Igor Iwanow stellt die neue aussenpolitische Doktrin öffentlich vor.
Ziel ist die Sicherung der Interessen von Person, Gesellschaft und Staat, die verlässliche Sicherheit des Landes und eine feste Position in der Weltgemeinschaft, die den Interessen Russlands als Grossmacht entspricht.
Russland will sich an der Formierung einer neuen Weltordnung beteiligen und die internationale Sicherheit festigen. Prioritär sind die Beziehungen zur GUS und zu Europa. Beziehung zur NATO soll auf Gegenseitigkeit beruhen. Interesse an Baltikum, Balkan. Verbesserung der Beziehungen zu den USA. Beziehungen mit Asien und Iran.
10.7.2000 Der Generaldirektor von Uralmasch, Oleg Belonenko, wird vor seinem Haus erschossen.
10.7.2000 Durch Präsidialerlass werden die Renten mit Wirkung vom 1.August um durchschnittlich 125-140 Rubel erhöht.
11.7.2000 Durchsuchungsaktionen der Steuerpolizei bei dem Mineralölkonzern LUKojl in Zusammenhang mit einem Verfahren, das gegen Wagit Alekperow, den Chef des Konzerns, eingeleitet wird.
Auch bei dem Medienkonzern Media-Most und dem dazugehörigen Fernsehsender NTV finden Durchsuchungen statt.
Die Generalstaatsanwaltschaft bietet dem Vorsitzenden von Interros, Oleg Potanin, an, das Verfahren gegen ihn einzustellen, wenn er 140 Mio. US$ bezahlt - die Differenz zwischen dem Kaufpreis von Noril'skij Nikel' und dem "wirklichen Wert" der Firma.
12.7.2000 Die Chef der Steuerpolizei teilt mit, dass man ein Verfahren gegen AvtoVAZ wegen Steuerhinterziehung eingeleitet hat. Er kündigt an, dass die Steuerpolizei demnächst gegen weitere Grossunternehmen vorgehen will.
12.7.2000 Der Chef der provisorischen Verwaltung in Tschetschenien, Kadyrow, ernennt Beslan Gantemirow zu seinem Stellvertreter. Gantemirow, eine umstrittene Gestalt, hatte 1999 mit einer eigenen tschetschenischen Truppe auf russischer Seite gekämpft.
12.7.2000 Auf einer Zusammenkunft der militärischen Führungsspitze kritisiert Generalstabschef Kwaschnin den Zustand der Streitkräfte.
Er fordert durchgreifende Reformen, u.a. eine Halbierung der Zahl der strategischen Raketen bis 2006 und die Auflösung der Strategischen Raketentruppen als selbständiger Teilstreitkraft.
Stattdessen sollen die konventionellen Streitkräfte ausgebaut werden, um Russland in die Lage zu versetzen, gleichzeitig zwei konventionelle Konflikte zu führen.
13.7.2000 Putin setzt Primakow als Vorsitzenden einer Kommission ein, die eine politische Lösung für den Konflikt zwischen Moldawien und Transnistrien ausarbeiten soll.
13.7.2000 Der Rechnungshof wirft dem Stromgiganten EES Rossii vor, in den Jahren 1992-1998 wiederholt Gesetze verletzt zu haben. Anatolij Tschubajs, Vorsitzender von EES Rossii, weist diese Vorwürfe zurück.
15.7.2000 Umbesetzungen in der Präsidialadministration. Simon Kordonskij übernimmt die Expertenabteilung, Maksim Mejer die Analyseabteilung.
Gleichzeitig tritt Igor Schabdurasulow, Erster stellvertretender Leiter der Präsidialadministration, zurück. Er begründet diesen Schritt mit seiner Ablehnung von Putins Politik. Insbesondere kritisiert er dessen enge Verbindung mit "Edinstvo", die Verhaftung Gusinskijs und die Versuche zur Änderung der Föderalverfassung.
Schabdurasulow plant die Organisation einer grossen Medienholding, zu dem u.a. ORT, TV-6, die Nezavisimaja gazeta, Kommersant gehören sollen, durchweg Betriebe, an denen Beresowskij Anteile hat.
15.7.2000 Gennadij Selesnew, Vorsitzender der Staatsduma und Mitglied der KPRF, gründet die Bewegung "Russland", einen politischen Verband, der im "linken Zentrum" angesiedelt ist. Selesnew erklärt, er wolle keineswegs die KPRF spalten.
16.7.2000 Treffen zwischen Putin, Verteidigungsminister Sergejew und Generalstabschef Kwaschnin in Sotschi, bei dem der Konflikt zwischen den beiden Spitzenmilitärs geschlichtet werden soll. Ein erstes Gespräch hatte am 15.7. in Moskau stattgefunden.
16.7.2000 Gefechte bei Nowogrosnenskij. Nach russischen Angaben werden 50 tschetschenische Guerillakämpfer getötet.
18.7.2000 Gantemirow, stellvertretender Chef der provisorischen Verwaltung Tschetscheniens, lässt auf eigene Faust Gudermes, den Sitz der tschetschenischen Regierung, nach Guerillakämpfern durchkämmen. Die Aktion ist eine Demonstration gegen seinen Vorgesetzten Kadyrow, der vorher sechs lokale Verwaltungschefs entlassen hatte.
18.-19.7.2000 Staatsbesuch Putins in Peking. Putin und Jiang Zemin unterzeichnen mehrere Abkommen, u.a. über Bankenzusammenarbeit und gemeinsame Energieprojekte. Ferner geben sie gemeinsam eine Stellungnahme ab, in der die amerikanischen Pläne für ein Raketenabwehrsystem kritisiert werden.
19.-20.7.2000 Staatsbesuch Putins in Nordkorea. Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung, in der beide Seiten ihre Bindung an die UN-Charta unterstreichen. Ferner wird die Bedeutung des ABM-Vertrages von 1972 betont.
19.7.2000 Die Duma ratifiziert einen Freundschaftsvertrag mit Nordkorea (363 gegen 8 Stimmen bei 1 Enthaltung).
19.7.2000 Die Duma verabschiedet mit 361 gegen 35 Stimmen (bei 8 Enthaltungen) ein Gesetz, das dem Präsidenten erlaubt, Gouverneure zu entlassen, die föderale Gesetze verletzt haben. Mit dieser Mehrheit setzt sich die Duma gegen den Föderationsrat durch, der den Entwurf abgelehnt hatte.
19.7.2000 Der Finanzmagnat Boris Beresowskij teilt der Duma offiziell mit, dass er sein Mandat niederlegt. Beresowskij war im Dezember in der Karatschaewo-Tscherkessischen Republik zum Abgeordneten gewählt worden. Seinen Rücktritt stellt er als Protest gegen die verfehlte Politik Putins dar.
19.7.2000 Bei Überfällen auf russische Fahrzeuge bei Argun, Tschiri-Jurt, Dschalka und Gechi werden sechs russische Soldaten getötet und elf verletzt. Ein Angriff auf den russischen Polizeiposten in Noshai-Jurt wird mit Verlusten für die Angreifer zurückgeschlagen.
21.7.2000 Viktor Kasanzew, der Bevollmächtigte des Präsidenten für den Föderalbezirk Südrussland, führt ein Versöhnungstreffen zwischen Kadyrow und Gantemirow herbei, das in Naltschik, der Hauptstadt von Kabardino-Balkarien, stattfindet.
21.-23.7.2000 Vladimir Putin nimmt am G-8-Treffen in Okinawa teil und führt bilaterale Gespräche mit allen G-8-Staatschefs ausser Chirac. Putin berichtet auf dem Gipfel über seine Gespräche in Nordkorea.
Sein Auftreten wird allgemein positiv gewertet. Bundeskanzler Schröder spricht davon, dass Russland nun voll in die Gruppe der G8 integriert sei.
Putin kann auch als Erfolg verzeichnen, dass der Gipfel die fortbestehende Gültigkeit des ABM-Vertrages betont.
24.7.2000 Angriff auf einen russischen Konvoi im Staropromyslovskij Rayon (Grosny). Drei Polizisten sterben, 17 werden verletzt. Ein Selbstmordanschlag in Gudermes schlägt fehl.
24.7.2000 Treffen Ministerpräsident Kasjanows mit Wirtschaftsführern. Kasjanow fordert dazu auf, sich bei den Regionsverwaltungen für die Verabschiedung der Steuergesetzgebung einzusetzen.
25.7.2000 "www.polit.ru" berichtet, dass die Stromversorger Sibiriens und des Fernen Osten auf Anweisung des Strommonopolisten EES Rossii die Lieferung von Elektrizität an säumige Zahler eingestellt haben. Allein in der Region Krasnojarsk sind 1.500 Betriebe betroffen, die den Stromversorgern insgesamt über 1 Mrd. Rubel schulden. Auch militärische Einrichtungen, u.a. die Pazifikflotte, wurden zeitweise nicht mit Strom beliefert. Es kommt zu Protesten.
26.7.2000 Der Föderationsrat, das russische Oberhaus, stimmt mit 119 gegen 18 Stimmen (bei vier Enthaltungen) der von einem Vermittlungsausschuss erarbeiteten Version des Föderationsratsgesetzes zu. Danach gehören ab 1.1.2002 Gouverneure und Vorsitzende der Regionalparlamente nicht mehr automatisch dem Oberhaus an. Vielmehr benennen in jeder Region Exekutive und Legislative jeweils einen 'Senator' .
26.7.2000 Der Föderationsrat verabschiedet mit 128 gegen 13 Stimmen bei neun Enthaltungen den zweiten Teil des Steuergesetzpakets.
27.7.2000 Putin kündigt per Dekret die Gründung eines Staatsrats an und ruft beide Häuser des Parlaments auf, Vorschläge über Zusammensetzung und Status des neuen Gremiums vorzulegen.
27.7.2000 Putin empfängt den stellvertretenden irakischen Regierungsschef Tariq Aziz in Moskau.
27.7.2000 Die Staatsanwaltschaft hebt das Ausreiseverbot für Wladimir Gusinskij (Media-Most) auf. Das Ermittlungsverfahren gegen ihn wird eingestellt, das Verfahren gegen das Unternehmen "Russkoe Video" aber weiterverfolgt.
27.7.2000 Der Präsident der Föderation der kaukasischen Völker, Jusup Soslambekow, stirbt an den Verletzungen, die er 10 Tage zuvor bei einem Anschlag in Moskau erlitten hat. Soslambekow hatte als Kontaktmann zwischen Maschadow und der russischen Führung fungiert.
27.7.2000 Russische Luftangriffe auf Datschnoe, eine Ortschaft am Stadtrand von Grosny, nachdem der russische Nachrichtendienst die Präsenz von 50 tschetschenischen Guerillakämpfern gemeldet hatte.
28.7.2000 Auf Anregung von Boris Nemzow lädt Putin 21 Wirtschaftsführer zu einer Aussprache ein.
Zum Kreis der Eingeladenen gehören:
Wagit Alekperow (LUKojl), Kacha Bendukidze (Vereinigte Maschinenfabriken), Wladimir Bogdanow (Surgutneftegaz), Tajmuraz Bolloew (Baltika, Brauerei), Michail Chodorkowskij (JuKOS), Jurij Deripaska (Sibirskij aljuminij), Michail Fridman (Alfa Gruppe), Anatolij Karatschinskij (gruppa IBS /Computer), Oleg Kiselew (Impeksbank), Wladimir Kogan (Promyschlenno-stroitelnyj bank/Bankirskij dom), Wladimir Lisin (Novolipeckij Metkombinat), Alexej Mordaschew (Severstal), Wladimir Potanin (Interros), Sergej Pugatschow (GAZ), Nikolaj Pugin (Alfa-bank), Jewgenij Schwidler (Sibneft), Semen Wajnschtok (Transneft), Viktor Wekselberg (Sibirsko-Uralskaja aljuminievaja kompanija), Rem Wjachirew (Gazprom), Jurij Sapol (Video International) und Dmitrij Simin (VympelKom /Mobilfunk).
Von seiten der Regierung sind Ministerpräsident Kasjanow und Wirtschaftsminister Gref anwesend. Ferner wird der Initiator des Treffens, Boris Nemzow, zugezogen.
Anatolij Tschubajs (EES Rossii) war eingeladen, ist aber verhindert.
Nicht eingeladen sind Boris Beresowskij, Wladimir Gusinskij und Roman Abramowitsch.
29.7.2000 Sergej Isaew, Vorsitzender der Russischen Akademie für Bildende Künste, stirbt, nachdem jemand durch das Fenster seiner Datscha fünf Schüsse auf ihn abgegeben hat.
29.-30.7.2000 Im Verlauf des Wochenendes finden in Tschetschenien wenigstens elf Überfälle auf russische Postierungen statt. Nach Angaben der russischen Seite gehen sie ohne Verluste ab.
30.7.2000 Bei einer Schiesserei zwischen Einheiten der tschetschenischen Feldkommandeure Baraew und Gelaew unweit Schalaschi (Südtschetschenien) werden sieben Beteiligte getötet und zwölf verwundet.
30.7.2000 In einer Rede anlässlich des Tags der Kriegsmarine erklärt Putin in Kaliningrad, dass die Kriegsflotte Garant des Grossmachtstatus ist.
31.7.2000 Präsident Putin entlässt sechs hochrangige russische Generale. Fünf von ihnen gelten als Gegner der Vorschläge, die Generalstabschef Kwaschnin zur Reform der Streitkräfte entwickelt hat.
31.7.2000 Putin ordnet an, dass in den sieben Föderalbezirken Büros des Innenministeriums eingerichtet werden.
2.8.2000 Russland beginnt mit dem Abzug seiner Truppen von georgischem Territorium. Die Militärbasis Waziani in der Nähe von Tbilissi wird geräumt.
5.8.2000 Auf Sachalin werden bei einem Erdbeben der Stärke 5,5 auf der Richterskala 2.000 Häuser zerstört. Menschenleben sind nicht zu beklagen.
6.8.2000 Am Jahrestag der Einnahme von Grosny durch die Tschetschenen im Jahre 1996 kommt es zu einer Reihe von Anschlägen und Zusammenstössen in Tschetschenien und den Nachbarregionen.
Bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe des Polizeihauptquartiers in Chasawurt (Dagestan) sterben zwei Personen. Drei weitere werden verletzt. An der Eisenbahnlinie Chasawurt-Batasch werden drei Bomben entdeckt, von denen eine explodiert.
Bei einem Bombenanschlag in Kurskaja (Stawropoler Region) werden vier Personen verletzt.
Zwei Personen werden getötet und drei verletzt, als russische Kampfhubschrauber das Dorf Arschty in Inguschetien angreifen.
In Grosny werden acht Angehörige der Moskauer OMON durch Minen verletzt.
In der Nähe von Petropawlowsk (im Nordosten von Grosny) beschiesst russische Artillerie tschetschenische Guerillakämpfer.
7.8.2000 Der Präsident unterzeichnet das neue Steuergesetz. Die Bestimmungen treten Anfang 2001 in Kraft. Sie sehen eine Verminderung der Steuerbelastung vor und sollen so unternehmerische Aktivitäten ermutigen, aber auch zu grösserer Steuerdisziplin führen.
8.8.2000 Bei einem Bombenanschlag in der Metrostation Puschkinplatz im Zentrum Moskaus werden 13 Personen getötet und über 90 verletzt. Eine zweite Bombe kann rechtzeitig entschärft werden.
8.8.2000 Bei dem Dorf Samaschki (Tschetschenien) wird ein gepanzertes Polizeifahrzeug durch eine ferngezündete Mine zerstört. Zwei russische Soldaten werden getötet, vier weitere verletzt.
8.8.2000 Durch Erlass des Präsidenten werden der Orden des Heiligen Georg und das Georgskreuz wiedereingeführt. Die Auszeichnungen werden für Heldentaten bei der Verteidigung des Vaterlandes gegen einen äusseren Feind verliehen.
9.8.2000 Die "Izvestija" veröffentlicht unter dem Titel "Russland am Scheideweg" eine Erklärung von neun bekannten Persönlichkeiten, in der diese vor einer Einschränkung von Rede- und Gedankenfreiheit warnen und eine konstruktive Opposition ankündigen. Zu den Unterzeichnern gehören Walerij Aksjonow, Stanislaw Goworuchin, Igor Schabdurasulow, Otto Lazis und Boris Beresowskij.
9.8.2000 Der Oberbefehlshaber der Ostseeflotte, Admiral Wladimir Jegorow, kündigt an, dass er sich um das Amt des Gouverneurs des Gebiets Kaliningrad bewerben will.
10.8.2000 Wiktor Gitin, bis 1999 Mitglied des Haushaltsausschusses der Duma, behauptet gegenüber der "Times", dass Ministerpräsident Kasjanow ihm 500.000 US$ hat anbieten lassen, wenn er die Arbeit an einer Studie über die Verwicklung der russischen Regierung in die Finanzkrise 1998 aufgibt.
10.8.2000 Die Steuerpolizei durchsucht das Moskauer Büro des Mineralölunternehmens Sibneft.
10.8.2000 Eine Untersuchungskommission des Innenministeriums bestätigt, dass sie einen Bericht über Korruption im Amtsbereich des Moskauer Bürgermeisters Luschkows vorgelegt hat. Luschkow wird eine Frist von einem Monat eingeräumt, um Gegenmassnahmen einzuleiten.
11.8.2000 Offizieller Besuch des Palästinenserführers Arafat in Moskau. Er wird von Aussenminister Iwanow und von Präsident Putin empfangen. Putin hatte am Vorabend mit dem israelischen Ministerpräsident Ehud Barak telephoniert.
11.8.2000 Nach russischen Meldungen wird ein Bombenanschlag auf Kadyrow, den Vorsitzenden der provisorischen Verwaltung in Tschetschenien, verhindert, als sein Sicherheitsdienst eine Mine mit Fernzünder, die auf seinem Fahrtweg plaziert war, findet und entschärft.
11.8.2000 Bei einem Treffen des Sicherheitsrates wird die kurz- und mittelfristige Streitkräfteplanung behandelt, die Gegenstand eines Konflikts zwischen Verteidigungsminister und Generalstabschef geworden war.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax wurde beschlossen, die Strategischen Raketentruppen innerhalb von zwei Jahren in den Bestand der Luftstreitkräfte zu überführen. Bei der Verteilung der Budgetmittel sollen die konventionellen Kräfte von Marine und Landstreitkräften grössere Priorität erhalten.
11.8.2000 Treffen Putins mit Gorbatschow. Beide erörtern den möglichen Zuschnitt des geplanten Staatsrats.
11.8.2000 Im Gebiet Batken (Süd-Kirgistan) kommt es zu Feuergefechten zwischen Regierungstruppen und einer Abteilung von ca. 100 Bewaffneten, die angeblich der "Islamischen Bewegung Usbekistans" angehören. Die Gefechte dauern mehrere Tage an.
12.8.2000 Generaloberst Tichomirow, Befehlshaber der Inneren Truppen, teilt mit, dass in einer dreitägigen Spezialoperation in Gechi, südwestlich von Grosny, 30 tschetschenische Guerillakämpfer getötet worden sind.
12.8.2000 Treffen Putins mit dem Dumavorsitzenden Seleznew, auf dem der Zuschnitt des geplanten Staatsrats erörtert wird.
12.8.2000 Nach einer schweren Havarie sinkt das russische Atom-U-Boot "Kursk" rund 180 km nordöstlich des Hafens Murmansk in der Barentssee. Zur Rettung der 118 Mann starken Besatzung leitet die russische Marine mit eigenen Mitteln eine Bergungsoperation ein, die aber erfolglos verläuft.
13.8.2000 Ein Konvoi der Inneren Truppen gerät in einen Hinterhalt. Drei russische Soldaten werden getötet, zehn verletzt.
14.8.2000 Die Bischofskonferenz der russisch-orthodoxen Kirche beschliesst, den Zaren Nikolaj II. und seine Familie, die 1918 ermordet wurden, heilig zu sprechen.
14.8.2000 Die Weltbank teilt mit, dass sie in der Woche zuvor Russland eine Anleihe in Höhe von 250 Mio. US$ gewährt hat.
14.8.2000 Bei einer Bombenexplosion in Grosny wird niemand verletzt.
15.8.2000 Nationaler Protesttag der Mitarbeiter des Transportwesens, die die Auszahlung der überständigen Löhne fordern.
15.8.2000 Die Bischofskonferenz der russisch-orthodoxen Kirche ruft zur Einigkeit der Christenheit auf. Ferner verabschiedet sie eine Sozialdoktrin, die u.a. Homosexualität, Abtreibung, den Organhandel sowie das Klonen von Lebewesen verurteilt.
16.8.2000 Ministerpräsident Kasjanow bestimmt per Erlass, dass die Präsidentenvertreter in den sieben Föderalregionen mit beratender Stimme an den Sitzungen des Kabinetts und von Regierungskommissionen teilnehmen können.
Die Besetzung von Positionen in Regionalbüros von Fachministerien und Regierungsdienststellen bedarf der Zustimmung der Präsidentenvertreter.
17.8.2000 Nach langem Zögern akzeptiert die russische Regierung ausländische Hilfe zur Rettung der Besatzung des gesunkenen U-Boots "Kursk". Grossbritannien entsendet ein Mini-U-Boot, Norwegen Taucher.
17.8.2000 Bei einem Bombenanschlag auf ein Polizeifahrzeug in Grosny werden zwei Zivilpersonen getötet und vier Polizisten verletzt. Bei einem weiteren Anschlag in Atschkoj Martan wird ein Wagen der Zentralen Wahlkommission zerstört.
18.8.2000 Präsident Putin bricht seinen Aufenthalt in Sotschi ab, nachdem in der Öffentlichkeit Kritik an seiner Gleichgültigkeit gegenüber der U-Boot-Katastrophe immer lauter wird.
Das Treffen der Staatschefs der GUS in Jalta, das für den 19.8. angesetzt ist, wird um einen Tag vorgezogen und abgekürzt. Putin führt mit den Präsidenten von Tadschikistan, Kasachstan, Aserbaidschan und Georgien bilaterale Gespräche.
18.8.2000 Der Vorsitzende der CIA, George Tenet, trifft zu Gesprächen in Moskau ein.
18.8.2000 Der Energiekonzern EES Rossii und das Eisenbahnministerium, das dem Stromunternehmen gegenüber erhebliche Schulden hat, einigen sich über ein Verfahren zur Ablösung der Aussenstände. EES Rossii hatte zuvor seine regionalen Filialen angewiesen, Stromlieferungen an die Bahn einzustellen.
19.8.2000 Eine russische Delegation unter Leitung des stellvertretenden Ministers für Katastrophenschutz, Ruslan Zalikow, trifft mit Hilfsgütern in Bagdad ein. Am 20.8. wird ein russisch-irakisches Protokoll über Hilfe auf dem Gebiet des Zivilschutzes (u.a. Minenräumen) unterzeichnet.
20.8.2000 In Tschetschenien finden Nachwahlen für die russische Staatsduma statt, bei der dreizehn Kandidaten antreten. Angesichts der Bürgerkriegssituation in der Region wird der Wert des Wahlvorgangs von vielen Seiten in Frage gestellt.
Nach russischen Angaben beträgt die Wahlbeteiligung 50%. Die tschetschenische Seite teilt mit, sie habe 47 Angriffe auf Wahllokale und russische Postierungen durchgeführt.
Gewählt wird Aslanek Aslachanow, früher Generalmajor im russischen Innenministerium. Er erhält 30,3% der Stimmen.
21.8.2000 Norwegische Taucher, die zum Wrack der "Kursk" vordringen und die Ausstiegsluke öffnen, stellen fest, dass der Bootskörper komplett geflutet ist. Von der Besatzung hat niemand überlebt.
Präsident Putin erklärt für den 23.8. Staatstrauer.
Die Duma-Fraktionen von Jabloko und Union der Rechten Kräfte sowie der Vorsitzende des Föderationsrats, Jegor Strojew, fordern eine unabhängige parlamentarische Untersuchung des Unglücksfalls.
In einer ganzen Reihe von Regionen wird Geld gesammelt, um die Hinterbliebenen der "Kursk"-Besatzung zu unterstützen. Beresowskij teilt mit, dass mehrere Wirtschaftsführer zu diesem Zweck einen Hilfsfond geschaffen haben. Einige grosse Unternehmen, darunter die Mineralölkonzerne LUKojl und Slawneft, bieten an, die Flugkosten der Familien nach Seweromorsk, dem Sitz des Hauptquartiers der Nordmeerflotte, zu übernehmen.
21.8.2000 Gruppen "militanter Islamisten" dringen in Süd-Kirgistan (Osch) ein und liefert sich Feuergefechte mit den Grenztruppen. Die Auseinandersetzungen dauern mehrere Tage an.
22.8.2000 Die islamische Geistlichkeit von Tschetschenien wählt ein neues Oberhaupt. Achmed Schamajew tritt an die Stelle von Kadyrow, der den Vorsitz der provisorischen Verwaltung übernommen hat.
23.8.2000 In der U-Boot-Basis Widajewo stellt sich Putin in Begleitung des Chefs der Nordmeerflotte, Wjatscheslaw Popow, drei Stunden den Fragen der Hinterbliebenen der Besatzung der "Kursk", auf deren Bitte eine offizielle Trauerfeier abgesagt wird.
In einer Fernsehansprache übernimmt Putin die politische Verantwortung für die Katastrophe. Er kritisiert Mängel bei den Rettungsarbeiten und kündigt eine gründliche Untersuchung an, deren Abschluss er abwarten will, ehe er jemanden entlässt.
23.8.2000 Nikolaj Wolkow, der Staatsanwalt, der die Untersuchung der Betrugsaffäre Aeroflot leitet, quittiert den Dienst, nachdem seine Vorgesetzten ihm vorgeworfen haben, er habe ohne Autorisierung Beweismaterial von Schweizer Behörden angefordert.
23.8.2000 Eine Gruppe von tschetschenischen Guerillakämpfern, unterwegs von Georgien nach Tschetschenien, wird von russischen Truppen auf inguschetischem Gebiet aus der Luft und mit Artillerie angegriffen. Angeblich werden 100 Tschetschenen getötet.
24.8.2000 Guerillakämpfer der "Islamischen Bewegung Usbekistans" greifen einen kirgisischen Grenzposten in der Region Batken an.
24.-25.8.2000 Der russische Innenminister Ruschajlo besucht Duschanbe und erörtert mit der tadschikischen Führung die Situation in der Region nach den Gefechten zwischen der "Islamischen Bewegung Usbekistans" und Regierungstruppen Usbekistans und Kirgistans.
24.8.2000 Per Erlass ordnet Präsident Putin an, die Gehälter von Militär, Polizei, Vollzugsbeamten, Zollbeamten und Steuerpolizei mit Wirkung vom 1.1.2001 um 20% zu erhöhen. Die Steuerreform, die ebenfalls am 1.1.2001 in Kraft tritt, sieht vor, dass nun auch Soldaten und Polizisten der Einkommenssteuer unterliegen.
24.8.2000 Über die Wneschekonombank überweist Russland an den "Londoner Club" die erste Rate der restrukturierten Schuld in Höhe 274,8 Mio Rubel.
24.8.2000 Der stellvertretende Generalstabschef Walerij Manilow teilt mit, dass Russland bereit ist, Usbekistan Militärhilfe zur Unterdrückung der "Islamischen Bewegung Usbekistans" zu leisten.
25.8.2000 Der kasachische Verteidigungsminister teilt mit, dass Kirgistan in Kasachstan angesichts der fortgesetzten Gefechte an der kirgisisch-usbekischen Grenze um militärische Hilfe nachgesucht hat.
27.8.2000 Der Moskauer Fernsehturm, mit 540 m das zweithöchste Gebäude der Welt, gerät in Brand. Erst am 28.8. gelingt es, das Feuer zu löschen. Drei Personen kommen während des Brandes um.
Aufgrund des Ausfalls der technischen Anlagen können die landesweiten Fernsehprogramme zeitweise nicht ausgestrahlt werden. Es dauert aber mehrere Tage, ehe die staatlichen TV-Kanäle in Moskau selbst wieder empfangen werden können. Auch die überregionale Telephonverbindung ist beeinträchtigt.
27.8.2000 Russische Militärs melden, ihre Truppen hätten auf inguschetischem Territorium eine Gruppe von tschetschenischen Guerillakämpfern gestellt, deren Stärke mit 180 Mann angegeben wird. Russische Grenztruppen dementieren die Meldung.
27.-28.8.2000 Kirgisische Regierungstruppen wehren einen Versuch von 60 Guerillakämpfern ab, von tadschikischem Territorium aus in die Regione Batken (Kirgistan) vorzudringen.
28.8.2000 Die Räume der Glasnost-Stiftung, einer Institution, die sich u.a. um kritische Beleuchtung der Tätigkeit von Polizei und Geheimdiensten bemüht, werden ohne richterliche Verfügung von einem Polizeikommando durchsucht.
30.8.2000 Die staatlichen Fernsehsender ORT und RTR sowie der Privatsender NTV nehmen mit Hilfe von technischen Provisorien ihre Ausstrahlung im Raum Moskau wieder auf.
30.8.2000 Aussenminister Iwanow erklärt, Russland werde Usbekistan jede notwendige Hilfe - und nicht nur politische - zur Bekämpfung von "Extremisten" geben. Der usbekische Präsident Karimow erklärt seinerseits, dass russische Hilfe nicht notwendig sei.
1.9.2000 Putin unterzeichnet den Erlass zur Bildung eines "Staatsrats der Russländischen Föderation". Dieser ist als Beratungsorgan konzipiert, dem die Oberhäupter der 89 Föderationssubjekte angehören.
2.9.2000 Putin benennt das Präsidium des neugeschaffenen Staatsrats, das aus sieben Personen besteht und alle sechs Monate wechseln soll.
Im ersten Halbjahr gehören dem Gremium an: Viktor Ischajev (Chabarowsk), Viktor Kress (Tomsk), Jurij Luschkow (Moskau), Magomedali Magomedow (Dagestan), Leonid Rokezkii (Tjumen), Mintimer Schaimijev (Tatarstan) und Wladimir Jakowlew (Petersburg)
2.9.2000 In Twer wird ein Mahnmal enthüllt, das russischen und polnischen Opfern der Stalinschen Repression gewidmet ist. An der Feierstunde nehmen der polnische Premier Jerzy Buzek, der russische Innenminister Ruschajlo und der stellvertretende Vorsitzende der Staatsduma, Lukin, teil.
2.9.2000 Kirgisische Regierungstruppen weisen in der Nacht vom 1. auf den 2.9. den Versuch einer Gruppe von 240 Bewaffneten ab, auf das Territorium des Gebiets Batken (Kirgistan) vorzudringen.
3.-5.9.2000 Staatsbesuch Putins in Japan. Gespräche mit dem japanischen Premier Yoshiro Mori. In der Kurilen-Frage halten beide Seiten an ihren gegensätzlichen Standpunkten fest. Es werden aber eine Reihe von Wirtschaftsvereinbarungen getroffen.
4.9.2000 In einem offenen Brief wirft Beresowskij dem Präsidenten vor, er übe Druck aus, um ihn - Beresowskij - zu veranlassen, die von ihm kontrollierten ORT-Anteile an den Staat abzugeben. Dies sei Teil einer Politik, die auf Einschränkung der Meinungsfreiheit gerichtet sei. Um ihr entgegenzuwirken, überschreibt Beresowskij seine ORT-Aktien den Journalisten des Senders.
4.9.2000 Bei der Explosion einer Bombe auf dem Zentralmarkt von Rjasan sterben drei Personen, weitere werden verletzt. Die Behörden gehen davon aus, dass der Anschlag in Zusammenhang mit einem Konflikt zwischen rivalisierenden örtlichen Banden steht.
4.9.2000 Das russische Aussenministerium informiert die anderen GUS-Staaten, dass Russland das Abkommen über visafreien Verkehr innerhalb der GUS aufkündigt. Mit den Mitgliedern der GUS-Zollunion (Belarus, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan) sowie mit Usbekistan, Armenien und Moldawien sollen in Zukunft besondere Abkommen geschlossen werden.
5.9.2000 In Rostow erörtern Vertreter der provisorischen Verwaltung Tschetscheniens und des russischen Energieministeriums, wer über die Aktien von Grozneft verfügen soll, das den tschetschenischen Öl- und Gassektor verwalten wird. Es kommt zu keiner Einigung.
6.9.2000 Rede Putins vor der Generalversammlung der UN in New York. Darin kritisiert er u.a. die Militarisierung des Weltraums und plädiert für wirksamere Massnahmen gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.
Während eines 90minütigen Treffens erörtern Putin und US-Präsident Clinton die Balkan-Frage, die Frage der Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und den Fall Irak.
Putin und Jiang Zemin betonen nach einem Treffen das gemeinsame Interesse an einer multipolaren Weltordnung.
7.9.2000 Bei einem Treffen mit dem israelischen Premierminister Barak erörtert Putin den Fortgang des Friedensprozesses im Nahen Osten.
Ferner trifft Putin den iranischen Präsidenten Chatami, das südafrikanische Staatsoberhaupt Mbeki, den türkischen Präsidenten Sezer und den indonesischen Präsidenten Wahid.
7.9.2000 Ein Unbekannter wirft eine Handgranate in eine Gruppe von Prostituierten. 16 Personen werden verletzt. Die Polizei vermutet einen Bandenkrieg.
7.9.2000 Generalmajor Alexander Schagako, Erster Stellvertretender Vorsitzender des Inlandsgeheimdienstes FSB, teilt auf einer Pressekonferenz mit, daß nach Erkenntnissen des FSB 63 Personen an den Attentaten auf drei Wohnhäuser im September 1999 beteiligt gewesen seien. Von diesen seien 33 verhaftet, 6 seien während der Kämpfe in Tschetschenien getötet worden, 5 habe man wegen des Attentats in Buinaksk angeklagt, die übrigen 19 seien flüchtig. Die Mehrzahl der Gesuchten stamme aus dem Kaukasus, seien aber keine Tschetschenen.
7.9.2000 Der kirgisische Verteidigungsminister teilt mit, daß es am 6. und 7.9. in Südkirgistan zu neuen Feuergefechten mit kleinen Gruppen Aufständischer gekommen ist.
9.9.2000 Die "Moscow Times" legt die Ergebnisse einer Analyse der Präsidentenwahlen vor. Danach ist es zu schwerwiegenden Fälschungen gekommen. Die Analyse beruht auf Berichten aus Saratow, Nowosibirsk, Kursk, Nishhnij Nowgorod, Kaliningrad, Primorskij Krai, Dagestan, Tatarstan, Inguschetien, Baschkortostan, Kabardino-Balkaria, Mordowia und Tschetschenien.
8.9.2000 Verteidigungsminister Sergejew bestätigt Berichte, dass die Streitkräfte bis zum Jahre 2003 um 350.000 Mann reduziert werden sollen.
8.9.2000 Putin gibt Larry King (CNN) ein einstündiges Interview.
9.9.2000 OTR stellt die Ausstrahlung der politischen Magazinsendung von Sergej Dorenko ein.
9.9.2000 Treffen Putins mit Fidel Castro im UN-Gebäude.
9.9.2000 In der Nacht vom 8. zum 9.9. weisen kirgisische Regierungstruppen nach offiziellen Angaben zwei weitere Versuche von Aufständischen zurück, die tadschikisch-kirgisische Grenze zu überschreiten.
10.9.2000 Tschetschenische Guerillakämpfer töten einen Vertreter der provisorischen Regionalverwaltung im Dorf Oktjabrskoe.
11.9.2000 Bei einem Überfall tschetschenischer Guerillakämpfer werden sechs russische Soldaten getötet. Ein russischer Generalmajor wird verwundet.
12.9.2000 Alexander Weschnjakow, Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission, weist Berichte der "Moscow Times" über massive Wahlfälschungen bei den Präsidentenwahlen zurück.
12.9.2000 Offizieller Besuch des vietnamesischen Ministerpräsidenten Phan Van Khai in Moskau. Treffen mit Putin.
13.9.2000 Anatolij Tschubajs, Vorsitzender des Strommonopolisten EES Rossii, ordnet an, dass Stromlieferungen an Einrichtungen der Raketentruppen nicht eingestellt werden dürfen. Am Vortag war eine Einheit der Raketentruppen im Gebiet Iwanowo ohne Elektrizität geblieben, da sie die Stromrechnung nicht bezahlt hatte. Die Regierung weist ihrerseits zusätzliche Mittel an, um die Stromschulden des Militärs zu decken.
15.9.2000 Putin empfängt Angehörige der 84 Fallschirmjäger, die sechs Monate zuvor gefallen sind als ihre Einheit in einem Gefecht mit Tschetschenen aufgerieben wurde.
15.9.2000 Der Schweizer Generalstaatsanwalt Roschacher trifft in Moskau mit dem russischen Generalstaatsanwalt Ustinow zusammen. Die Schweizer Seite übergibt umfangreiches Beweismaterial in den Betrugsfällen Aeroflot und Mabetex.
16.9.2000 Kadyrow, der Chef der provisorischen Verwaltung Tschetscheniens, kritisiert das harte Vorgehen russischer Truppen gegen die tschetschenische Zivilbevölkerung. Er warnt, dass dies eine neue Protestwelle auslösen könne.
17.9.2000 Bei einer Spezialoperation der Truppen des Innenministeriums im Süden Tschetscheniens werden nach russischen Angaben sechs tschetschenische Partisanen getötet und einer gefangengenommen.
17.9.2000 Die Kämpfe in Batken zwischen kirgisischen Regierungstruppen und Aufständischen halten an.
19.9.2000 Auf Antrag von Gazprom eröffnet der Generalstaatsanwalt ein Verfahren gegen Media-Most (Gusinskij). Gazprom wirft Media-Most vor, es halte den im Juli unterzeichneten Vertrag über den Verkauf der Firmenanteile nicht ein. Gazprom hatte die Aktien gegen Streichung der Schulden in Höhe von 437 Mio US$ und Zahlung von 300 Mio US$ übernommen. Gusinskij macht geltend, der Vertrag sei nur zustande gekommen, weil die Politik erpresserischen Druck auf ihn ausgeübt habe, und deshalb ungültig.
19.9.2000 Putin ordnet die Hebung des gesunkenen U-Boots "Kursk" an. Die Bergung soll im Oktober beginnen.
19.9.2000 Evrotek, eine Firma, die eng mit der Tjumener Mineralölgesellschaft TNK verbunden ist, ersteigert bei einer staatlichen Privatisierungsauktion 85% der Anteile der Mineralölfirma ONAKO.
20.9.2000 Putin besucht den Schriftsteller und Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn und führt ein dreistündiges Gespräch mit ihm. Am folgenden Tag äußert sich Solschenizyn in einem Fernsehinterview ausgesprochen positiv über Putin.
21.9.2000 Putin weist Ministerpräsident Kasjanow an, den Konflikt zwischen Media-Most und Gazprom zu untersuchen und die Rolle zu prüfen, die Medienminister Lesin dabei spielte.
21.9.2000 Bei einer Bombenexplosion in der Nähe des dagestanischen Innenministeriums werden ein Polizeibeamter getötet und eine Passantin verletzt.
21.9.2000 Iskander Chatloni, RFE-Korrespondent für Tadschikistan, wird in seiner Moskauer Wohnung überfallen und stirbt an den Verletzungen.
22.9.2000 In einem Interview in der Zeitung "Kommersant" fordert der tschetschenische Präsident Maschadow die russische Regierung auf, ihre Truppen zurückzuziehen und in Verhandlungen einzutreten. Er sei offen für Kontakte mit jedem vernünftigen russischen Regierungsmitglied. Maschadow beziffert die Zahl der tschetschenischen Guerillakämpfer auf 15.000. Die russische Seite bezeichnet diese Zahl als falsch und lehnt Verhandlungen ab.
22.9.2000 Auf einer Sitzung, an der 16 Vorsitzende regionaler Organisationen teilnehmen, schliesst die rechtsradikale Bewegung RNE (Russische nationale Einheit) ihren bisherigen Führer, Alexander Barkaschow wegen parteischädigenden Verhaltens aus.
25.9.2000 Bundeskanzler Schröder trifft sich mit Putin in Moskau.
25.9.2000 Die Tageszeitung "Segodnja" meldet, Anatolij Tschubajs, der Vorsitzende des Strommonopolisten EES Rossii, sei für einen Monat in die Schweiz gereist, um dort an einer Managerschulung teilzunehmen. In Moskau wird diese Meldung als Signal interpretiert, dass Tschubajs in politischen Schwierigkeiten ist.
25.9.2000 Der Oberste Gerichtshof hebt einen Erlass des Kommunikationsministeriums auf, der vorsieht, dass Internet-Provider und Telecom-Unternehmen Anlagen installieren müssen, die dem Inlandsgeheimdienst FSB das Mithören möglich machen.
25.9.2000 Treffen zwischen Putin und Sjuganow. Sjuganow erklärt, das Gespräch sei substantiell gewesen und habe alle wichtigen politischen Bereiche abgedeckt.
28.9.2000 Die Generalstaatsanwaltschaft teilt mit, dass sie ein neues Verfahren wegen Betrugs gegen Media-Most und Gusinskij eingeleitet hat.
28.9.2000 Treffen Putins mit dem französischen Aussenminister Vedrine. Putin betont, dass er eine Verbesserung der russisch-französischen Beziehungen anstrebt.
28.9.2000Russische Soldaten töten in Grosny den tschetschenischen Feldkommandanten Isa Munajew, als er versucht, eine Bombe an einem Polizeifahrzeug anzubringen.
29.9.2000 Der neugegründete Staatsrat tritt zum ersten Mal zusammen. Das Gremium wird viermal im Jahr tagen, sein Präsidium einmal im Monat.
Dem Präsidium gehören an: Leonid Rokezkij (Tjumen), Viktor Kress (Tomsk), Jurij Luschkow), Viktor Ischajew (Chabarowsk), Magomedali Magomedov (Dagestan), Mintimer Schajmiew (Tatarstan), Vladimir Jakowlew (St. Petersburg).
29.9.2000 Es wird bekannt, daß der Strommonopolist EES Rossii Anteile am Fernsehsender Ren-TV erworben hat, der bisher zu 75% LUKojl gehörte.
2.10.2000 In Makalatschka, der Hauptstadt Dagestans, beginnt der Prozess gegen den Journalisten Andrej Babizkij.
2.10.2000 Angesichts der Unstimmigkeiten über den Ausgang der Präsidentenwahlen in Jugoslawien bietet Putin den Kontrahenten Miloschewitsch und Kostunica seine Vermittlung an.
3.10.2000 Staatsbesuch Putins in Indien. Treffen mit dem indischen Premierminister Atal Bihari Vajpayee. Es wird eine Erklärung über die strategische Partnerschaft beider Länder unterzeichnet.
4.10.2000Die Duma erklärt, dass die Präsidentenwahlen in Jugoslawien regulär durchgeführt worden sind und erkennt das von der jugoslawischen Regierung bekanntgegebene Ergebnis an.
4.10.2000Putin hält eine Rede vor dem indischen Parlament, in der er die Bedeutung der russisch-indischen Beziehungen hervorhebt und zur gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus auffordert.
Im Rahmen des Besuchs werden eine Reihe von Verträgen über Produktion und Lieferung von Rüstungsgütern unterzeichnet, u.a. über die Lizenzherstellung von 150 SU-30-Jagdflugzeugen und von T-90 Kampfpanzern.
4.10.2000Erste Sitzung des neugegründeten Rats der Unternehmer. Ministerpräsident Kasjanow trifft mit 24 hochrangigen Wirtschaftsvertretern zusammen, darunter Pjotr Awen (Alfa Bank), Oleg Deripaska (Russisches Aluminium), Michail Chodorkowskij (JuKOS) und Oleg Wjugin (Troika Dialog).
4.-7.10.2000Gefechte bei dem Dorf Za-Wedeno, 50 km südöstlich von Grosny. Die tschetschenische Seite teilt mit, dass 50 russische Soldaten getötet worden seien. Dies wird von russischer Seite dementiert, die erklärt, sie habe 20 tschetschenische Freischärler getötet und 19 verwundet - ohne eigene Verluste.
6.10.2000Der russische Aussenminister Iwanow trifft den serbischen Oppositionsführer Kostunica in Belgrad und gratuliert ihm im Namen Putins zum Sieg bei den jugoslawischen Präsidentenwahlen.
Dumavorsitzender Selesnjow kritisiert den "Staatsstreich" Kostunicas.
6.10.2000Der Journalist Andrej Babizkij wird in Makalatschka, der Hauptstadt Dagestans, des Passvergehens schuldig gesprochen, doch unmittelbar darauf amnestiert.
9.10.2000Putin bestätigt einen Rahmenplan zur Reorganisation des Verteidigungsministeriums. In Zukunft wird der Verteidigungsminister ein Politiker, kein Militär sein. Der jetzige Minister, Sergejew, wird abgelöst.
9.10.2000Putin trifft zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Kasachstan ein.
9.10.2000Eine russische Delegation unter Führung von Aussenminister Iwanow führt Gespräche in Syrien und Libanon mit dem Ziel, einen Ausweg aus der akuten Krise im Nahost-Friedensprozess zu suchen.
10.10.2000Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Rundschau" berichten unter Berufung auf Quellen in der prorussischen provisorischen tschetschenischen Verwaltung, dass russische Truppen in Tschetschenien zahlreiche Kriegsverbrechen begangen haben - und weiter begehen.
10.10.2000Aussenminister Iwanow trifft im Rahmen seiner Nahostreise in Israel ein und führt Gespräche mit UN-Generalsekretär Annan, dem Palästinenserführer Arafat und israelischen Spitzenpolitikern.
10.10.2000Shores Alferov, Physiker, Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften und kommunistischer Dumaabgeordneter, erhält gemeinsam mit zwei Amerikanern den Nobelpreis in Physik für seine Arbeiten im Bereich der Halbleitertechnologie.
10.10.2000Die Präsidenten von Russland, Belarus, Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan unterzeichnen in Astana den Vertrag zur Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion.
11.10.2000Finanzminister Kudrin erklärt, dass das Finanzministerium Forderungen in Höhe von 140 Mio US$ an Media-Most hat.
11.10.2000Außenminister Iwanow führt Gespräche mit dem syrischen Präsidenten Assad in Damaskus.
11.10.2000Die Präsidenten der Mitgliederstaaten des Kollektiven Sicherheitsvertrages von 1992 (Russland, Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisien und Tadshikistan) unterzeichnen ein Abkommen über die Schaffung einer gemeinsamen Mobilen Eingreiftruppe.
12.10.2000Bei der Explosion einer Autobombe in Grosny werden zwölf Personen getötet, davon sieben Polizisten. 20 Personen werden verletzt.
14.10.2000Bei einem Überfall auf einen russischen Versorgungskonvoi bei Grosny werden vier Soldaten verwundet, als ihr Schützenpanzer auf eine Mine gerät.
15.10.2000Bei den ersten Präsidentenwahlen in Udmurtien setzt sich Alexander Wolkow, der Vorsitzende des Regionalparlaments, mit 37,8% der abgegebenen Stimmen durch.
16.10.2000Aussenminister Iwanow teilt der Presse mit, dass Russland keine Einladung zur Teilnahme an der Nahost-Konferenz in Sharm el-Sheikh erhalten hat.
16.10.2000Boris Beresowskij gründet gemeinsam mit einer Reihe von Journalisten ein Unternehmen namens Teletrust, dass seine Anteile am Fernsehsender ORT verwalten soll. Zu den Gründungsmitgliedern gehören S. Dorenko (ORT), W. Tret'jakow (Nesawisimaja gaseta), E. Jakowlew (Obschtschaja gaseta) und der Schriftsteller Aksjonow.
16.10.2000Sergej Iwanow, der Sekretär des Sicherheitsrates, trifft zu einem offiziellen Besuch in Teheran ein. Er will mit der iranischen Seite über Zusammenarbeit bei der Gewährleistung von Sicherheit in Zentralasien sprechen.
17.10.2000Putin kündigt für den 1. November eine Rentenerhöhung um 10% an.
17.10.2000Bei einem Bombenanschlag der tschetschenischen Guerilla in Vedeno werden zwei russische Polizisten getötet und acht verletzt.
18.10.2000Sprecher von Media-Most teilen mit, dass das hoch verschuldete Medienunternehmen eine aussergerichtliche Einigung mit Gazprom erreicht hat, bei dem der Erdgaskonzern Aktienanteile übernimmt, der Fernsehsender NTV aber seine redaktionelle Unabhängigkeit behält.
18.10.2000Eröffnung des Verfahrens gegen den amerikanischen Geschäftsmann Edmond Pope, der im April 2000 unter dem Vorwurf, Spionage für die USA zu betreiben, verhaftet wurde.
18.10.2000Die Erdgaskonzerne Gazprom (Rußland), Ruhrgas, Wintershall (beide Deutschland), SNAM (Italien) und Gaz de France (Frankreich) vereinbaren, den Anschluß der in Bau befindlichen Jamal-Europa-Pipeline an ein europaweites Netzwerk von Gaspipelines zu durchdenken.
19.10.2000Aslanbek Aschadow, Duma-Abgeordneter für Tschetschenien, erklärt öffentlich, daß das russische Militär in Tschetschenien systematisch foltert und Personen verschleppt.
19.10.2000ITAR-TASS meldet, daß die Lohnrückstände im Gesundheitswesen 684,5 Mio. Rubel betragen. Allein in der Woche zuvor sind Gehälter in Höhe von insgesamt 63,8 Mio. Rubel nicht ausbezahlt worden.
19.10.2000Wirtschaftsminister Gref teilt mit, daß die Zentralbank sich aus ihrem Engagement in der Sberbank und der Wneschtorgbank zurückziehen will.
21.10.2000Der bisherige Gouverneur des Gebiets Kursk, Alexander Ruzkoj, wird durch Gerichtsbeschluß von der Teilnahme an den Gouverneurswahlen am 22.10. ausgeschlossen.
21.10.2000Bei der Explosion einer Mine in Gudermes (Tschetschenien) werden zwei Personen verletzt.
22.10.2000Treffen Putins mit Tschubajs, dem Vorsitzenden des Strommonopolisten EES Rossii, und Wjachirew, dem Vorsitzenden des Erdgaskonzern Gazprom, in Anwesenheit des zuständigen stellvertretenden Ministerpräsidenten Christenko. Es wird eine gemeinsame Gas-Energie-Kommission eingerichtet, die Konflikte zwischen den Parteien schlichten soll.
23.10.2000Russische und norwegische Taucher beginnen mit Arbeiten am gesunkenen U-Boot "Kursk". Ziel der Operation ist es, die Leichen der 118 Besatzungsmitglieder zu bergen.
24.10.2000In einem Interview mit der Zeitung "Le Figaro" erklärt Putin, dass der Staat durchaus in der Lage sei, hart gegen die "Oligarchen" vorzugehen, wenn diese sich ihm weiter in den Weg stellten.
25.10.2000Die Steuerpolizei leitet gegen den Gouverneur von Tschukotka, Nasarow, der sich um eine Wiederwahl bemüht, Untersuchungen wegen Missbrauch von Staatsgeldern ein.
25.10.2000Ein Transportflugzeug der russisschen Streitkräfte stürzt in Georgien ab. Alle 86 Insassen finden den Tod.
26.10.2000Taucher dringen in das Wrack der "Kursk" ein und bergen die ersten Toten. Aufgefundene Aufzeichnungen bestätigen, dass es nach der Havarie im U-Boot zunächst noch Überlebende gegeben hat.
26.10.2000Der Wagen des Leiters der Verwaltung des Kurtschaloj-Bezirks (Tschetschenien), Letscha Awturkoew, wird von drei Männern angehalten, die den Beamten erschiessen.
27.10.2000Bei einem Überfall tschetschenischer Guerillakämpfer auf einen Konvoi in Dagestan werden vier russische Polizisten getötet.
27.10.2000Besuch des neuen jugoslawischen Präsidenten Kostunica in Moskau. Treffen mit Aussenminster Iwanow, Präsident Putin und dem Patriarchen Aleksij II.
28.10.20002. Kongress von "Edinstvo". Der Parteivorsitzende Sergej Schojgu erklärt , die Partei sei konservativ-zentristisch und unterstütze die Autorität des Präsidenten.
29.10.2000Bei einem Bombenanschlag auf ein Café in Tschiri-Jurt (30 km südlich von Grosny) werden fünf russische Soldaten und zwei Zivilisten getötet.
30.10.2000Staatsbesuch Putins in Frankreich. Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Chirac.
31.10.2000 6. EU-Russland-Gipfel in Paris. U.a. wird die Beteiligung Russlands an einer schnellen Eingreiftruppe der EU behandelt.
31.10.2000Aus dem Verteidigungsministerium verlautet, dass geplant ist, die Streitkräfte zwischen 2001 und 2003 um 365.000 Mann zu vermindern. U.a. sollen 240.000 Offiziersplanstellen eingespart werden.
1.11.2000Ein Attentatsversuch auf Kadyrow, den Chef der provisorischen Verwaltung von Tschetschenien, schlägt fehl. Der Täter stirbt bei der Explosion der Bombe.
1.11.2000Das Büro des Generalstaatsanwalts gibt bekannt, dass die Finanzmagnaten Gusinskij und Beresowskij für den 13.11. zur Befragung vorgeladen wurden. Beresowskij soll im Zusammenhang mit Unterschlagungen bei Aeroflot Stellung nehmen, gegen Gusinskij und Media-Most wird wegen Betrugs ermittelt.
1.11.2000Zum Abschluss seines Staatsbesuchs in Frankreich stattet Putin dem russischen Friedhof von Sainte Geneviève de Bois einen Besuch ab. Dort sind russische Emigranten begraben, u.a. der Schriftsteller Iwan Bunin und der Tänzer Rudolf Nurejew.
2.11.2000Der Erdgaskonzern Gazprom kündigt an, dass er die Erdgaslieferungen an Jugoslawien, die aufgrund des Embargos eingestellt worden waren, wieder aufnehmen wird. Die russische Regierung stellt einen Kredit bereit, um die Lieferungen zu finanzieren.
3.11.2000Staatsbesuch von Ministerpräsident Kasjanow in Peking. Treffen mit Präsident Jiang Zemin. Unterzeichnung mehrerer Abkommen über politische und Handelsbeziehungen.
4.11.2000Putin vereinigt die beiden Rüstungsexportfirmen "Roswoorushenie" und "Promeksport" zu einem neuen Unternehmen namens "Rosoboroneksport", dessen Leitung Andrej Beljaninow übernimmt.
5.11.2000Bei den Regionalwahlen in Kursk schlägt Michajlow (KPRF) den FSB-General Surshikow, der von der Präsidialadministration unterstützt wird.
5.11.2000Gefechte in Grosny, nachdem tschetschenische Guerillakämpfer einen Schützenpanzer beschossen haben.
8.11.2000Explosion an einer Pipeline in Moskau. Der Vorfall wird vom Inlandsgeheimdienst FSB untersucht.
9.11.2000Der Sicherheitsrat beschliesst, den Umfang der gesamten russischen Streitkräfte in den nächsten fünf Jahren um ein Fünftel (600.000 Mann) zu verrringern. Es sollen 365.000 Angehörige der regulären Streitkräfte, 105.000 von anderen Truppen (z.B. Innenministerium) und 130.000 Zivilbeschäftigte eingespart werden.
9.11.2000Der Vorsitzende der Verwaltung des Bezirks Alchan-Kala (Tschetschenien) wird in seinem Büro von einem Unbekannten erschossen.
9.11.2000Der neugewählte Gouverneur von Kursk, Alexander Michajlow, erklärt in einem Interview mit der Zeitung "Kommersant", Russland fange nun an, sich von den Widerwärtigkeiten der letzten zehn Jahre zu befreien. "Dabei sind der Präsident und ich Verbündete, nicht Gegner. Wladimir Wladimirowitsch [Putin] ist übrigens ein russischer Mensch. Wie ich. Und Ruzkoj [bisher Gouverneur von Kursk], wenn das jemand nicht weiss, hat eine jüdische Mutti - Zinaida Iosifovna." (Kommersant, 9.11.2000, S. 1)
10.11.2000Putin dekretiert, dass die Gehälter der Staatsangestellten um 20% erhöht werden.
10.11.2000Potanin, der Vorsitzende des Konzerns "Interros", teilt in einer Pressekonferenz mit, dass eine "Russische Union der Gewerbetreibenden und Unternehmer" gegründet worden ist. Der Vorstand besteht aus 27 Mitgliedern, zu denen Wladimir Potanin (Interros), Michail Chodorkowskij (JuKOS), Michail Fridman (Alfa Gruppe), Anatolij Tschubajs (EES Rossii), Alexander Mamut (MDM Bank) und Oleg Kiselew (Impeksbank) gehören. Präsident des Verbandes wird Arkadij Wolskij.
13.11.2000ITAR-TASS berichtet, dass die russischen Truppen im Rahmen einer grossangelegten Aktion gegen den tschetschenischen Feldkommandanten Basajew im Osten Tschetscheniens 15 Guerillakämpfer getötet haben.
13.11.2000Der Generalstaatsanwalt erlässt einen Haftbefehl gegen Wladimir Gusinskij, den Chef von Media-Most, nachdem dieser sich geweigert hat, einer Vorladung der Untersuchungsbehörden zu folgen
14.11.2000Gazprom zieht sich von der Übereinkunft zurück, mit der am 11. November die Streitigkeiten zwischen dem Erdgaskonzern und Media-Most beigelegt worden waren. Dabei hatte Gazprom dem Medienkonzern gegen eine Beteiligung am Aktienkapital die Schulden erlassen. Mit dem Rückzug von Gazprom ist der Rechtsstreit nun wieder offen
14.11.2000Staatsbesuch Putins in Ulan Bator (Mongolei). Treffen mit dem mongolischen Staatsoberhaupt N. Bagabandi. Bestätigung des Freundschafts- und Kooperationsvertrags von 1993.
14.11.2000Der Finanzmagnat Beresowskij erklärt, er werde der Vorladung des Generalstaatsanwalts für den 15.11. nicht folgen. Er beklagt, durch das Verhalten der Behörden sei er gezwungen, im Ausland zu bleiben.
14.11.2000Der prorussische Bürgermeister von Grosny, Gantemirow, wirft den russischen Truppen vor, bei einem Schusswechsel am 13.11. einen Zivilisten und zwei tschetschenische Polizisten getötet zu haben. Jastshrembskij, der Sprecher des russischen Präsidenten für Tschetschenien, dementiert das, wirft aber Gantemirow seinerseits vor, bei der Erstürmung eines Gebäudes in Grosny 7 Tschetschenen gefangengenommen zu haben.
14.11.2000Ernennung von Michail Dmitrijew zum Stellvertretenden Verteidigungsminister. Dmitrijew war vorher Stellvertretender Minister für Industrie, Technik und Wissenschaft. Er hat lange im Auslandsnachrichtendienst SVR gearbeitet.
15.11.2000Rede Putins vor dem Asia Pacific Economic Cooperation Forum in Brunei. Dabei fordert Putin die APEC-Länder auf, in Russland zu investieren.
15.11.2000Treffen zwischen Putin und dem US-Präsidenten Clinton in Brunei.
16.11.2000Scharami Dudagov, Vorsteher der Siedlung Mesker-Jurt in der Schali Region (Tschetschenien) und sein Stellvertreter Hasmaqomed Tsumtaew werden ermordet.
17.11.2000Der Inlandsgeheimdienst FSB durchsucht die Redaktionsräume der Zeitung "Versija" in Zusammenhang mit ihrer Berichterstattung über die Havarie der "Kursk".
18.11.2000Einrichtung einer Kommission für Rüstungsexport, der Putin vorsitzt. Sein Stellvertreter ist Ministerpräsident Kasjanow. Zu den Mitgliedern der Kommission gehören: Alexander Woloschin (Leiter der Präsidialadministration), Igor Sergejew (Verteidigungsminister), Michail Dmitrijew (Stellvertretender Verteidigungsminister), Igor Iwanow (Aussenminister), Sergej Iwanow (Sekretär des Sicherheitsrates), Ilja Klebanow (Stellver-tretender Ministerpräsident), Sergej Lebedew (Direktor des Auslandsnachrichtendienstes SVR), Nikolaj Patruschev (Vorsitzender des Inlandsgeheimdienstes FSB) und Sergej Prichodko (Stellvertretender Leiter der Präsidialadministration).
19.11.2000Admiral Wladimir Jegorow, der Oberbefehlshaber der Ostseeflotte, wird im zweiten Wahlgang zum Gouverneur von Kaliningrad gewählt.
19.11.2000Der frühere Vizegouverneur von Kursk, Sergej Maksatschew, wird in der Gebietsverwaltung zusammengeschlagen. Die Angreifer, die auf Anweisung des neuen Vizegouverneurs handeln, verlangen Informationen über die Geschäfte des bisherigen Gouverneurs Ruzkoj. Sie begleiten ihren Angriff mit antisemitschen Ausfällen.
20.11.2000Auf einer Kommandeurstagung des russischen Verteidigungsministerium kritisiert Putin das Finanzministerium wegen der Mängel in der Sozialversorgung der Soldaten und kündigt eine Rentenerhöhung an. In seiner Rede verteidigt er auch die Kriegführung in Tschetschenien, bemängelt die hohen Verluste, versichert aber, dass die "antiterroristische Operation" bis zum Ende durchgehalten werden muss.
17.11.2000Auf dem Rückweg vom APEC-Treffen in Brunei trifft Putin in Novosibirsk mit den Gouverneuren des Sibirischen Föderalbezirks zusammen.
21.11.2000Staatsbesuch des britischen Premierminister Tony Blair in Moskau. Gespräche mit Putin. Themen waren u.a. wurde der ABM-Vertrag und die im Aufbau befindliche "European rapid reaction force".
22.11.2000Erste Plenarsitzung des Staatsrats.
22.-23.11.2000Aussenminister Iwanow besucht Warschau und führt Gesprächem mit dem polnischen Aussenminister Buzek und Präsident Kwasniewski. Der russische Innenminsier Ruschajlo unterzeichnet mit seinem polnischen Amtskollegen ein Abkommen über polizeiliche Zusammenarbeit.
28.11.2000Das Finanzministerium stellt Kreditmittel bereit, mit deren Hilfe die Energie- und Heizungskrise in der Region Primorje überwunden werden soll.
29.11.2000Der stellvertretenden irakische Ministerpräsident Tariq Aziz trifft in Moskau Aussenminister Iwanow. Der Irak strebt eine Aufhebung der UN-Sanktionen an, Iwanow hält daran fest, dass der Irak zunächst eine Reihe von UN-Beschlüssen erfüllen muss.
29.11.2000Putin beauftragt den ehemaligen Gouverneur von Orenburg, Vladimir Jelagin, die Wiederaufbauarbeit der föderalen Ministerien in Tschetschenien zu koordinieren.
29.11.2000Andrej Illarionow, der Wirtschaftsberater des Präsidenten, erklärt, dass die Regierung die vorteilhaften internationalen Rahmenbedingungen nicht ausgenutzt hat und bei der Leitung der Volkswirtschaft versagt hat.
30.11.2000Die Steuerpolizei teilt mit, dass sie gegen Norilskij Nikel, das Magnitogorsker Hüttenwerk und das Katschnakarsker Metallanreicherungswerk Untersuchungsverfahren wegen Steuerbetrug eingeleitet hat.
30.11.2000Am Vorabend des GUS-Gipfels in Minsk trifft Putin die Präsidenten von Aserbaidschan und Georgien.
1.12.2000Die Duma verabschiedet den Haushalt für 2001 in der 3. Lesung mit 279 gegen 101 Stimmen bei 5 Enthaltungen. Die vierte und letzte Lesung ist für den 14.12. angesetzt.
1.12.2000Stepaschin, Vorsitzender des Rechnungshofes, gibt bekannt, dass Untersuchungen gegen hohe Beamte im Finanz- und im Wirtschaftsministerium eingeleitet werden, die Summen in Höhe von ca. 2 Mio. US $ unterschlagen haben, die für den Wiederaufbau in Tschetschenien vorgesehen waren.
1.12.2000Der GUS-Gipfel in Minsk beschliesst die Einrichtung eines Antiterrorismus-Zentrums in Moskau. Zu sieben anderen Themen (u.a. militärische Zusammenarbeit und Schaffung einer GUS-Freihandelszone) werden keine Beschlüsse gefasst. Der Präsident von Turkmenistan, Nijazow, nimmt als einziges Staatsoberhaupt nicht an dem Gipfel teil.
3.12.2000Auf dem 7. Parteitag der KPRF wird Sjuganow abermals zum Parteivorsitzenden gewählt.
4.12.2000Putin gibt in einer Fernsehansprache bekannt, dass Russland die alte sowjetische Nationalhymne (ohne Text) und das Staatswappen des zaristischen Russland übernehmen wird. Staatsfahne bleibt die weiss-blau-roteTrikolore, doch die "rote Siegesfahne" aus dem 2. Weltkrieg wird offizielle Fahne der Streitkräfte.
4.12.2000Nach tschetschenischen Angaben werden in drei Gefechten 13 russische Soldaten getötet und 21 verwundet.
4.12.2000Die Staatsanwaltschaft erlässt einen internationalen Haftbefehlt gegen Gusinskij.
5.12.2000Eine Gruppe von 120 tschetscheninschen Guerillakämpfern stürmt das Haus des Bürgermeisters von Grosny, Gantemirow, in Gechi (Urus Martan). Gantemirow ist zum Zeitpunkt des Überfalls abwesend.
5.12.2000Beamte der für Luftverkehr zuständigen Staatsanwaltschaft durchsuchen die Büros des Fernsehsenders ORT und beschlagnahmen Unterlagen. Dem Fernsehsender werden Zollvergehen beim Einfuhr ausländischer Filme vorgeworfen. Am 6.12. bezeichnet Generalstaatsanwalt Ustinow das Vorgehen als illegal und leitet ein internes Verfahren gegen die Verantwortlichen ein.
5.12.2000Gazprom teilt mit, dass der Konzern nunmehr 46% der NTV-Aktien besitzt und dazu weitere 19% als Sicherheit. In diesem Zusammenhang zieht das Unternehmen die Klage gegen Media-Most zurück.
6.12.2000Der amerikanische Geschäftsmann Pope wird unter dem Vorwurf der Spionage zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Am 9.12. Kündigt Putin an, dass er Pope begnadigen werde.
6.12.2000Auf seiner zweiten Sitzung erörtert der Unternehmerrat die Steuerreform und setzt eine Arbeitsgruppe ein.
7.12.2000Auf einer Pressekonferenz in Wladiwostok fordert Notstandsminister Schojgu die Regionsführung auf, in den Orten, in denen nach wie vor die Heizung nicht funktioniert, den Notstand auszurufen, und benennt die Verantwortlichen, die versagt haben, mit Namen.
8.12.2000In Pjatigorsk werden 3 Personen bei der Explosion von zwei Autobomben getötet.
8.12.2000Die Duma verabschiedet in 2. und 3. Lesung die Gesetze über Nationalhymne, Staatswappen und Fahnen. Damit wird die Ankündigung Putins vom 4.12. umgesetzt.
9.12.2000Bei der Explosion einer Autobombe in Alchan-Jurt werden 21Menschen getötet, darunter die Bürgermeisterin des Ortes. Die tschetschenische Guerilla beschuldigt die russische Seite, die Bombe gelegt zu haben, während Ortsbewohner von Russland eingesetzte tschetschenische Polizisten als Schuldige nennen.
9.12.2000Auf einer Sitzung des NATO-Russland-Rats einigen sich beide Seiten auf ein System, um Unfälle von U-Booten und anderen Schiffen zu verhindern und in Seenotfällen zu reagieren.
9.12.2000Putin billigt den Plan des Medienministeriums, die staatliche Radio- und Fernsehgesellschaft VGTRK zu privatisieren.
9.12.2000Das Steuerinspektorat des Zentralen Föderalbezirks leitet ein Verfahren ein, um eine Reihe von Tochtergesellschaften von Media-Most, darunter NTV, zu liquidieren.
10.12.2000Wahlen in fünf Föderationssubjekten: Wladimir, Chabarowsk, Kurgan, Brjansk, Kostroma. Die amtierenden Gouverneure Viktor Ischajew (Chabarowsk, 88%), Nikolaj Winogradow (Wladimir, 66%) werden im ersten Wahlgang wiedergewählt, Oleg Bogomolow (Kurgan, 50,5%) im zweiten. In Kostroma wird ein zweiter Wahlgang notwendig. In Brjansk, wo Lodkin siegt (31,8%), ist dies aufgrund des Wahlrechts nicht notwendig. In allen Fällen liegen die Amtsinhaber vorn.
11.12.2000Auf den Generaldirektor des Elektrizitätsunternehmens Grozenergo in Grosny wird ein Bombenanschlag verübt. Der Manager entkommt mit leichten Verletzungen. Einige Tage zuvor war das Gebäude von Grozenergo beschossen worden.
12.12.2000Am Vorabend seines Kuba-Besuchs erklärt Putin, dass Russland seine Position in Lateinamerika wiederherstellen muss. Die Abkühlung der russich-kubanischen Beziehungen sei ein Fehler gewesen.
12.12.2000Der Präsident der Weltbank erklärt, dass die Weltbank Russland im Jahre 2001 zur Strukturreform der Volkswirtschaft einen Kredit über 800 Mio. US Dollar gewährt.
12.12.2000Spanische Behörden nehmen Gusinskij aufgrund des von der Moskauer Staatsanwaltschaft erlassenen internationalen Haftbefehls fest.
12.12.2000Bei einem Treffen in Moskau unterzeichnen Generalstabschef Kwaschnin und der Vorsitzende des U.S. Joint Chiefs of Staff, Shelton, mehrere Abkommen über militärische Zusammenarbeit.
13.12.2000Interfax teilt mit, dass der tschetschenische Präsident Aslan Maschadow bei einer Spezialoperation der russischen Truppen verwundet worden ist. Bei Gefechten in der Nähe von Grosny sind angeblich 23 tschetschenische Guerillakämpfer getötet worden.
14.12.2000Offizieller Staatsbesuch Putins in Kuba. Thema der Gespräche mit Castro sind u.a. die Schulden Kubas gegenüber Russland. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen beide Staatsmänner das amerikanische Handelsembargo gegenüber Kuba. Putin besucht auch das russische elektronische Überwachungsszentrum in Lourdes unweit von Havanna.
14.12.2000Putin begnadigt den als Spion verurteilten amerikanischen Geschäftsmann Pope, der umgehend auf freien Fuss gesetzt wird.
14.12.2000Die "Moscow Times" teilt mit, dass seit Sommer gegen Generaloberst Olejnik, Leiter der Hauptverwaltung für Finanzen im Verteidigungsministerium, wegen Amtsmissbrauch und Unterschlagung ermittelt wird.
14.12.2000Die Duma verabschiedet den Staatshaushalt für 2001 in vierter und letzter Lesung mit 309 gegen 109 Stimmen. Einnahmen und Ausgaben betragen danach jeweils 1.193 Bio Rubel (ca. 43 Mrd US$). Die Inflationsrate wird mit 12% angenommen und das BIP mit 7.750 Bio Rubel angesetzt.
15.12.2000Auf Basis einer Vorlage der Führung von RAO EES Rossii verabschiedet das russische Kabinett ein umfassendes Konzept zur Reform des Energiesystems. Präsidentenberater Illarionow und der Vorsitzende der Präsidialverwaltung, Woloschin, sprechen sich dagegen aus.
16.12.2000Die Aussenminister Russlands und der USA, Albright und Iwanow, unterzeichnen in Brüssel ein Memorandum zur Verbesserung des Informationsaustauschs bei Raketenstarts.
17.12.2000Regionalwahlen in Iwanowo, Kamtschatka, Rjasan, Stawropol und Mari-El.
17.12.2000Die Verteidigungsminister Russlands und Kuba, Sergejew und Raoul Castro, unterzeichnen ein Abkommen über militärisch-technische Zusammenarbeit.
17.12.2000Putin setzt seine Amerikareise fort und trifft zum Staatsbesuch in Kanada ein.
17.12.2000Das Amtsgebäude des Bürgermeisters von Grosny, Gantemirow, wird angegriffen. Bei dem folgenden 50minütigen Feuergefecht werden 5 Personen getötet und weitere verwundet.
18.12.2000Treffen Putins mit dem kanadischen Premier Chrétien. U.a. wird die Frage der US-amerikanischen Pläne für ein nationales Raketenabwehrsystem erörtert.
18.12.2000Bei einem Attentat wird der Moskauer Vizebürgermeister Ordshonikidse verletzt. Sein Fahrer wird getötet.
20.12.2000Bei einem Treffen suchen Putin und Ministerpräsident Kasjanow die Unstimmigkeiten zwischen Kabinett und Präsidialadministration auszugleichen, die im Zusammenhang mit unterschiedlichen Vorstellungen über das Entwicklungskonzept für RAO EES Rossii entstanden sind.
21.12.2000Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft eröffnet Verfahren gegen eine Reihe von leitenden Offizieren des Kosmodroms Plesezk. Den Beschuldigten werden Wirtschaftsvergehen vorgeworfen.
22.12.2000Putin und der ukrainische Präsident Kutschma treffen mit Vertretern der Unternehmerschaft beider Länder zusammen.
24.12.2000Gouverneurswahlen in Tschukotka, Uljanowsk, Woronesh, Republik Chakasija, Kostroma, Tscheljabinsk und Wolgograd.
In Tschukotka wird der Dumaabgeordnete und Finanzmagnat Roman Abramovitsch mit 90% der Stimmen gewählt. In Uljanowsk setzt sich der ehemalige Befehlshaber in Tschetschenien, Schamanov, mit 56% der Stimmen gegen den Amtsinhaber Gorjatschev durch.
In Woronesh gewinnt Kulakow, der Vorsitzende der regionalen Dienststelle des Inlandsgeheimdienstes FSB, mit 60% gegen den Amtsinhaber Schabaschow.
Wiedergewählt wurden Präsident Aleksej Lebed (Republik Chakasija, 73%), Gouverneur Viktor Scherschunov (Gebiet Kostroma 63%) und Governeur Petr Sumin (Gebiet Celjabinsk 58,77%). Im Gebiet Volgograd müssen sich Gouverneur Nikolaj Maksjuta (36,45%) und der Unternehmer Oleg Sawtschenko (28,36%) einer Stichwahl stellen.
26.12.2000Ein Moskauer Gericht stellt das Betrugsverfahren gegen Gusinskij ein.
27.12.2000Meinungsumfragen des "Fond obstschestwennoe mnenie" bestimmen Putin zum "Mann des Jahres" (43%).
28.12.2000Rosoboronprom schliesst mit dem indischen Staatskonzern Hindustan Aeronautics Limited (HAL) ein Abkommen mit einer Laufzeit von 17 Jahren, das der indischen Seite gestattet, 140 SU-30MKI in Lizenz nachzubauen. Die Vereinbarung soll der russischen Seite 3 Mrd. US-Dollar einbringen.
28.12.2000In einer Ansprache vor den Gouverneuren des Zentralen Föderaldistrikts bemängelt Putin die Dyfunktion des Bankensystems. Er kritisiert vor allem die Zentralbank, die die Reform des Bankensystems nicht vorangetrieben hat.
28.12.2000Der russische Verteidigungsminister Igor Sergejew trifft in Teheran mit seinem iranischen Amtskollegen und mit dem iranischen Präsidenten Chatami zusammen. Sie verabreden eine erweiterte Zusammenarbeit in militärischen Fragen.
29.12.2000Im Rayon Noshaj-Jurta töten russische Streitkräfte im Rahmen einer Spezialoperation den tschetschenischen Feldkommandanten Umar Boltukajew und verwunden seinen Bruder.
29.12.2000Präsident Putin suspendiert Generaloberst Olejnik, den Leiter der Finanzabteilung des russischen Verteidigungsministeriums, gegen den ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch und Unterschlagung eingeleitet wurde.
29.12.2000In Urus-Martan (Tschetschenien) erschießen Unbekannte zwei Mitarbeiterinnen der Rayonsverwaltung.
31.12.2000Im Zentrum von Grosny wird ein russischer Schützenpanzer beschossen. Ein Soldat wird getötet, zwei werden verletzt.



© Hennning Schröder 2000